IG Metall pusht Bildungszeit

Weiterbildung für Industrie 4.0 bleibt auf der Strecke

Bildungszeit
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Baden-Württemberg steht für Industrie und Innovation. Auch beim Thema Industrie 4.0 soll Baden-Württemberg nach Ansicht des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann ganz vorne mitspielen. Die Automatisierung wird menschliche Fertigkeiten nicht ersetzen können, vernetztes Denken wird weiterhin vorrangig bleiben, so Kretschmann in seinem Grußwort auf der Bezirkskonferenz der IG Metall im Juni in Sindelfingen. Qualifizierungen für Arbeitnehmer – wie sie nun auch durch das Bildungszeitgesetz unterstützt werden – seien deshalb für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen besonders wichtig.

Es ist anzunehmen, dass der Ministerpräsident damit eher an die beruflichen Qualifizierungen, als an die (gesellschafts-)politischen gedacht haben könnte. Der Bezirksleiter der IGM, Roman Zitzelsberger, machte aber keinen Hehl daraus, dass die IGM die hart erkämpfte Bildungszeit vor allem für politische Bildung nutzen will. Aus diesem Grund machte die ordentliche Bezirkskonferenz der IG Metall Ende Juni die konkrete Umsetzung des Bildungszeitgesetzes zum Hauptthema und stellte rechtzeitig zum Inkrafttreten ab 1. Juli ihr umfassendes gesellschaftspolitisches Bildungsprogramm vor.

Den Anspruch auf bezahlte Freistellung sieht das Bildungszeitgesetz siehe Artikel „Neues Bildungszeitgesetz“. Die Seminare zur gesellschaftspolitischen Bildung bietet die IG Metall an – für ihre Mitglieder natürlich kostenfrei. Was im Rahmen dieser Kampagne auf die Unternehmen neben den notwendigen beruflichen Weiterbildungskosten für Mitarbeiter an zusätzlicher bezahlter Freistellung für politische Weiterbildung zukommt, kann man nur erahnen. Der Überforderungsschutz nach dem Bildungszeitgesetz jedenfalls greift erst bei einer Bewilligung von 10 Prozent der betrieblichen Bildungszeit, das entspricht etwa 5 Arbeitstagen für 10 Prozent der Beschäftigten.

Ob der Südwesten damit ein „Musterland für gute Arbeit“ wird, wie Wirtschaftsminister Nils Schmid dies zusammenfasst, bleibt zu bezweifeln. Es besteht eher die Gefahr, dass vor lauter politischer Weiterbildung die Qualifizierungsbudgets der Unternehmen aus dem Ruder laufen und die notwendige Weiterbildung für Industrie 4.0 auf der Strecke bleibt.