Im grünen Versuchslabor

Baden-Württemberg büßt sein Image als Industrieland ein

Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) bleibt gelassen. Markige Worte oder engagierter Eifer in kritischen Diskussionsrunden sind seine Sache nicht. Auch dann nicht, wenn alle sehnlichst darauf warten. So geschehen beim Gedankenaustausch mit Wirtschaftsvertretern am 19. März im Landesverband der Industrie (LVI). Während der Unmut bei Unternehmen und Wirtschaftsverbänden über eine die Industrie zunehmend behindernde Politik wächst, bleibt Schmid seiner ruhigen Linie treu.

Der Ärger entzündet sich vor allem an der "Hyperaktivität" des grünen Umweltministeriums, wie ein Unternehmer frustriert formuliert. Dort werde unter Schlagworten wie "Nachhaltigkeit" oder "Ressourceneffizienz" eine Initiative nach der anderen angefahren, nur um am Ende neue Auflagen für die Wirtschaft zu kreieren. "Die Verbände werden als Feigenblatt benutzt, sie dürfen sich äußern, aber gemacht wird etwas anderes", so die einhellige Einschätzung der Industrievertreter.

Hinzu kommt das gewandelte Image Baden-Württembergs außerhalb des Landes, das der Wirtschaft Kummer bereitet. Während sich Länder wie Nordrhein-Westfalen, Sachsen oder Bayern als Industrieländer positionieren, "werden wir als grünes Versuchslabor wahrgenommen", kritisiert der LVI-Vorsitzende Eberhard Koch den Wirtschaftsminister in ungewohnter Schärfe. "Das geht über jedes vernünftige Maß hinaus." Man nehme Schmid zwar ab, dass er für die Wirtschaft stehe. Aber dann möge er seinen Koalitionspartner bitte auch bändigen, lautet die Forderung. Denn gegenwärtig kämen die Interessen der Industrie erst ganz weit hinten.

Nils Schmid nimmt die Kritik regungslos entgegen. Er muss weiter, nach Berlin, zur Talkshow.

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