Innovation Day in der Schweiz

Impulse aus Forschung und Entwicklung für die Textilindustrie

Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise konnte Manfred Bickel, Leiter der Geschäftsstelle St. Gallen des Textilverbandes Schweiz, mehr Teilnehmende als in den Jahren zuvor auf dem Innovation Day an der Empa Akademie bei Zürich begrüßen. Er rief die Unternehmen auf, antizyklisch zu handeln und gerade jetzt, in schwierigen Zeiten, innovative Ideen zusammen mit Partnern anzupacken und umzusetzen.

Anregungen für Ideen bekamen die Besucher durch verschiedene Impulsreferate. Edoardo Mazza, Professor an der ETH Zürich stellte sein Forschungsprogramm "Adaptive Werkstoffsysteme" vor. Solche Systeme verbinden passive Materialeigenschaften wie Festigkeit oder Steifigkeit mit aktiven Funktionen. Zur Illustration diente ein Film über ein an der Empa entwickeltes Luftschiff, das sich angetrieben von elektrischen Akuatoren durch die Lüfte bewegt.

"Gibt es Materialien mit Intelligenz und – wenn ja – wie viele Intelligenzstufen gibt es?" fragte die Empa-Forscherin Ana-Maria Popa. Sie teilt die Intelligenzquotienten der Materialien in drei Stufen ein. Komplexe Systeme, die funktionelle und reagierende Eigenschaften zusammenbringen, ordnet Popa der höchsten Stufe zu. Diese Materialien sind imstande, bestimmte Aufgaben selbstständig zu erfüllen, wenn sie dazu angeregt werden. Ein Beispiel dafür könnten textile Produkte sein, die mit der Umwelt kommunizieren. Etwa eine Handtasche, die durch Farbwechsel anzeigt, ob darin gerade das Telefon klingelt oder eine SMS eingegangen ist. Oder der Joggingdress, der durch Farbpunkte verrät, welche Leistung der Sportler momentan erbringt.
Keine Zukunftsmusik, sondern eine konkrete Neuentwicklung sind schwarze und weiße Stoffe, die Wärmestrahlen nicht mehr absorbieren sondern reflektieren. Somit heizen sich die Stoffe weniger auf und schützen vermehrt vor Überhitzung. Außerdem wird die Haut vor Sonnenbrand geschützt. Die Stoffe wurden von der Schöller Technologies AG gemeinsam mit der Clariant AG entwickelt.

Auch ein konkretes Ergebnis präsentierte Professor Thomas Scheibel von der Universität Bayreuth. Ihm ist es gelungen, das Geheimnis der Spinnseidenherstellung zu lösen. In der Natur gibt es viele Materialien, die durch ihre in Jahrmillionen optimierten Eigenschaften synthetische Produkte bei Weitem übertreffen – so auch die Spinnseide.
Zurzeit arbeitet das Forscherteam um Professor Scheibel daran, das Verfahren in industrietaugliche Maßstäbe umzusetzen. Anwendungsgebiete sind etwa in der Medizin und auch in der Industrie auszumachen.