Innovation von innen

Kein Wettbewerb zwischen Institut und Unternehmen – Kritik an Forschungspolitik

"Forschungsinstitute dürfen nicht Wettbewerber der Industrie sein". Das forderte Dr. Oliver Maetschke von der Ettlin AG mit Sitz in Ettlingen. Anlässlich des Parlamentarischen Abends des Forschungskuratoriums Textil Anfang Februar in Berlin berichtete der Vorstand der Südwesttextil-Mitgliedsfirma vor zahlreichen Parlamentariern und Vertretern wichtiger Bundesministerien durchaus kritisch über seine Erfahrungen mit gemeinsamen Forschungsprojekten.

Der traditionsreiche Spezialist für textile Träger- und Verstärkungsmaterialien hat erhebliche Kraftanstrengungen aufgebracht, um eine echte textile Innovation auf den Markt zu bringen: ein neues Material, welches aus LED-Lichtquellen dreidimensionale Lichtkörper erzeugt, einsetzbar in Architektur, Fahrzeugbau oder im Dekorationsbereich. Sechs Mitarbeiter des 150 Köpfe zählenden Unternehmens bildeten eine eigene Forschungsabteilung, die Spezialisten aus verschiedenen Bereichen in Industrie und Forschung zusammengebracht und koordiniert haben.

Allerdings, so Maetschke, werde der steinige Weg von der Serienreife bis hin zum wirtschaftlichen Erfolg eines Produkts unterschätzt. Diesen müssten die Unternehmen selbst gehen und zwar in zeitlicher als auch in finanzieller Hinsicht. "Dazu benötigen sie jedoch die uneingeschränkten Nutzungsrechte, damit sich die Investitionen in die Vermarktung auch lohnen", so der promovierte Ingenieur.

Die Tatsache aber, dass die Forschungsinstitute zunehmend selber finanziellen Erfolg aus den Produkten erwirtschaften sollen, stehe einer erfolgreichen Vermarktung entgegen. Maetschke riet dazu, die Institute nicht in eine Wettbewerbssituation mit der Industrie zu bringen, da andernfalls die notwendige vertrauensvolle Zusammenarbeit auf hohem Niveau nicht mehr möglich sei.

Ausdrücklich hob der Vorstand des Ettlinger Unternehmens die Effizienz der so genannten ZIM-Projekte hervor, mit deren Hilfe auch das neue Produkt entwickelt wurde. Dieses vor vier Jahren gestartete bundesweite "Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)" bietet kleinen und mittleren Unternehmen eine verlässliche Perspektive zur Unterstützung ihrer Innovationsbemühungen. Zusammen mit dem ITV Denkendorf und weiteren Partnern habe man damit schnell und ohne viel Bürokratie gezielt an Lösungen arbeiten können. Dazu zähle auch die Flankierung der Markteinführung. "Das ist schon sehr nahe an dem, was ich als optimal bezeichnen würde", meinte der Unternehmensvorstand.

Innovationen in neue smartere Produkte sowie deren Schutz könnten aber nur von innen heraus aus den Kernkompetenzen des einzelnen Unternehmens entstehen. Darauf müsse dann die industrielle Gemeinschaftsforschung aufsetzen. Dabei eigne sich das ZIM-Programm besser als langwierige und umständliche AIF- und EU-Forschungsprojekte.

Foto: Susanne M.K. Bauer