Innovative Berufe für die Bekleidungsindustrie

Start der neuen Ausbildungsordnung im Herbst

Modeschneiderin

Das Neuordnungsverfahren der Ausbildungsberufe zum Modenäher und Modeschneider ist nun fast abgeschlossen. Das Gremium bestehend aus Experten der Sozialpartner unter der Leitung des Bundesinstituts für Berufliche Bildung (BIBB) hat sich ein letztes Mal getroffen, so dass die novellierten Berufe zu Beginn des neuen Ausbildungsjahrs umgesetzt werden können.

Im Ergebnis sind zwei innovative Berufe für die Bekleidungsindustrie entstanden: der neue Ausbildungsberuf Textil- und Modenäher - früher Modenäher - und der Textil- und Modeschneider - ehemals Modeschneider. Eine Stufenausbildung wird es in Zukunft nicht mehr geben. Mit der Umsetzung der novellierten Ausbildungsordnung werden ein zweijähriger und ein dreijähriger Ausbildungsberuf eingeführt. Die Abschlussprüfung des zweijährigen Textil- und Modenähers ist die Zwischenprüfung des dreijährigen Textil- und Modeschneiders, so dass sich de facto für die Betriebe keine allzu große Änderung ergeben wird.

Allerdings versucht die Gewerkschaft den zweijährigen Ausbildungsberuf noch zu verhindern. Die Bildungsexpertin des Gesamtverbands textil+mode, Karin Terdenge, ist sich aber sicher, "dass dieses Störfeuer unseres Sozialpartners keine Auswirkung bei der Umsetzung der Berufe haben wird. Ärgerlich und nicht angebracht ist es trotz alledem. Denn für leistungsschwächere Jugendliche ist es ein Einstieg der hier verbaut werden würde. Ein zweijähriger Facharbeiterabschluss ist auch etwas wert und allemal besser, als an den Alternativen 'alles oder nichts' zu scheitern."

Welche wesentlichen Neuerungen haben sich für die Ausbildungsberufe ergeben? Die nähtechnischen Kompetenzen werden nun vornehmlich in den ersten zwei Ausbildungsjahren vermittelt. Das neue Berufsbild des Textil- und Modenähers verzichtet aufgrund der aktuellen Situation in den Betrieben auf Nähverfahren im Akkord. Der Schwerpunkt im ersten Jahr liegt auf dem Bereich Zuschneiden und Vorrichten von Werk- und Hilfsstoffen mit insgesamt 10 Wochen und den Nähtechniken mit insgesamt 12 Wochen. Im zweiten Jahr kommt das Anwenden von Schweiß- oder Klebetechniken mit fünf Wochen Ausbildung hinzu. Ein weiterer Schwerpunkt im zweiten Jahr definiert das Fertigen von Bekleidungsartikeln oder sonstigen textilen Artikeln mit insgesamt 12 Wochen. Sechs Wochen sind für das Abwandeln von Grundschnitten und das Erstellen von Schnittlagebildern im zweiten Jahr vorgesehen. Die wesentlichen Änderungen im Berufsbild des Textil- und Modeschneiders sind die Einführung von Schwerpunkten. Diese sind je nach betrieblichem Hintergrund zu wählen. Es handelt sich dabei um die drei Bereiche Prototypen- und Serienfertigung, Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung und Schnitttechnik. Sie wurden vor dem Hintergrund ins Leben gerufen, dass die traditionellen Einsatzmöglichkeiten der Fachkräfte in der Bekleidungsfertigung und den Musterabteilungen weiter zurückgehen. Außerdem ist eine stärkere Heterogenität der Ausbildungsbetriebe festzustellen.

Im Schwerpunkt "Prototypen und Serienfertigung" werden von den Modeschneidern die Prototypen nach Modellvorgaben gefertigt. Dabei werden die Verarbeitungstechniken sowie der Einsatz und die Abfolge von Maschinen und Anlagen festgelegt. Es erfolgt eine Modellprüfung und bei Bedarf eine Optimierung bevor die Prototypen in die Einzel- und Serienfertigung gehen, um einen effizienten Durchlauf zu erzielen.

Im Schwerpunkt "Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung" werden auf der Grundlage der Prototypen die Modellbeschreibungen und Fertigungsunterlagen für die Produktion einschließlich der Ermittlung der Fertigungszeiten- und kosten anhand von vorgegebenen Datenbausteinen erstellt. Zusätzlich sind gängige Material- und Warenprüfungen durchzuführen, um exakte Textil- und Pflegekennzeichnungen vornehmen und Zertifizierungsvorgaben erreichen zu können.

Im Bereich "Schnitttechnik" werden von den Modeschneidern Schnittbilder und Modellschnitte erstellt und je nach Konfektionsgröße die notwendigen Modelländerungen für die Vervielfältigung herausgearbeitet. Dies geschieht mit anwenderbezogenen CAD-Programmen. Für die Produktion werden die Lege- und Zuschnitt- Anweisungen erstellt, die schnitt- und modellrelevanten Daten aufbereitet.

Weitere Informationen zur Neuordnung gibt es zum Download im Mitgliederbereich. Der Verband wird außerdem in den nächsten Wochen eine Ausbilderaussprache veranstalten, die als Schwerpunkt die Neuordnung der beiden Ausbildungsberufe der Bekleidungsindustrie zum Inhalt hat.