Die Südwesttextil-Jahrestagung 2018 in Rottweil

Im Rahmen der Jahrestagung am 17. April präsentierte Südwesttextil mit der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen das gemeinsame Projekt „Textil kann viel in Baden-Württemberg“. So eroberten rund dreißig Studierende den Laufsteg des alten Kraftwerks in Rottweil, um die diversen Anwendungsbereiche der Branche in einer Modenschau zu präsentieren.

Modenschau JT-1

Doch bis es soweit war, trafen sich Mitglieder und Gäste in luftiger Höhe im thyssenkrupp-Testturm, den sie in geführten Gruppen erkundeten. Während die Mitglieder in der Mitgliederversammlung auf Etage 27 dem Bericht des Präsidenten, der Geschäftsführung und des Schatzmeisters lauschten und im Anschluss den Vorstand und das Präsidium neu wählten (hier geht es zu den Ergebnissen), genossen die Gäste bereits beim Get-together auf der Aussichtsplattform eine Etage höher die sensationelle Aussicht. Dieses Vergnügen wurde den Mitgliedern nach getaner Gremienarbeit auch zu Teil. Bei bestem Wetter – der Himmel strahlte in Südwesttextil-Petrol – nutzen die Unternehmer, Unternehmensvertreter und Gäste aus Verwaltung, Bildung und Politik die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch.

Modenschau JT-8

Dann wechselte die Location und alle Teilnehmer wurden per Shuttle zur Abendveranstaltung ins Kraftwerk geshuttlet. Dort erwartete sie neben einem Aperitif eine spannende und umfangreiche Ausstellung der Hochschule Reutlingen. Hier präsentierten Studierende ihre innovativen Arbeiten aus den verschiedenen Studiengängen.

Modenschau JT-7

Nach Eröffnung und Rede des frisch für eine weitere Amtszeit gewählten Südwesttextil-Präsidenten Bodo Th. Bölzle betrat der Festredner Prof. Dr. Werner Sobek, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren und Professor an der Universität Stuttgart, die Bühne. Der Architekt und beratende Ingenieur ist für die textile Hülle des Testturms verantwortlich und bezieht seit Langem den Werkstoff Textil in seine Arbeiten mit ein. Seine innovativen Ideen und Arbeiten, die er auf spannende Weise präsentierte, wie z. B. Papstaltare, Baldachine oder gar einen „textilen“ Flughafen – Bauzeit 5 Jahre und er ist fertig, weil man einen Mann damit beauftragte, der es kann – faszinierte und begeisterte das Publikum. Schon im zweiten Semester seines Architekturstudiums Mitte der Siebziger-Jahre entdeckte er textile Baustoffe für sich und seine Projekte. „Fortan habe ich mich damit beschäftigt, wie man unter der Verwendung von Stoffen, die vielleicht noch gar nicht existieren, Gebäudehüllen und Gebäudestrukturen entwickelt und so den architektonischen Methoden- und Werkzeugkasten erweitert“, so der textile Visionär. Sein Zukunftscredo:

„Wir müssen mit weniger Material für mehr Menschen bauen und wir müssen sofort aus der fossilen Energieversorgung aussteigen. Das ist alternativlos!“

Modenschau JT-9

Ein Interview und Beispiele seines Wirkens gibt es im druckfrischen Index-Buch „Textiles Bauen“ (hier in der eBook-Version).

Im Anschluss moderierte Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas ein Expertengespräch zum Thema „Fashion 2018 – Chancen und Herausforderungen“ zwischen dem Start-up-Unternehmer Rafy Ahmed des Sportlabels Morotai, der Familienunternehmerin Carina Ammann von der Wäschemarke Isco und Mark Bezner, Inhaber des Hemdenspezialisten Olymp. Diesen interessanten Talk gibt es in Kürze auf unserer Internetseite als Video zum Anschauen und Reinhören.

Modenschau JT-10

Und dann war es soweit: Von Airbags und Garnrollen über extravagante Kleider und Outdoormode bis hin zu einer Kissenschlacht – in vier zentralen Themen zeigten die Produkte von rund 34 Mitgliedsunternehmen und fünf Nachwuchsdesignerinnen der Hochschule Reutlingen, wie vielfältig die Textilindustrie im Ländle ist.

Das „Fantasy“ Thema eröffneten Amann und Ettlin mit maßgeschneiderter Leuchtkraft. Airbags von Global Safety Textiles wurden als Accessoires zu Models in Bandagen des Nürtinger Herstellers Sporlastic kombiniert. Mit Gruschwitz, ZUE und Gütermann waren sowohl zu Endprodukten weiterverarbeitete als auch klassische Garnrollen auf dem Laufsteg präsent. Nachdem die Studierenden in Arbeitsbekleidung der Unternehmen Kübler und Lauffenmühle den Laufsteg verlassen hatten, schloss der erste Teil mit floralen Prints. In Stoffe des Lörracher Traditionsunternehmen KBC gehüllt und mit edlen Spitzen des Bänderspezialisten Moll verziert, beendeten die Models den ersten Teil. Die Überleitung zum klassischen Bekleidungs- und Fashionteil war dank der männlichen Begleitung in Olymp nahezu fließend.

Zum Thema „Fashion“ gab es nach modernen Herren-Outfits von Digel frühlingshaft lässige Looks von Betty Barclay. Mit Frauenpower im Marinestil präsentierte sich die Balinger Marke Doris Streich, elegant abgelöst durch die Kombinationen des Hemdenspezialisten Olymp und den aktuellen Designs von Luisa Cerano aus Nürtingen. Zum ersten Mal auf dem Laufsteg zu sehen waren die im Anschluss hervorgehobenen Kissen der Pfullinger Manufaktur DEAN Living, die glamourös neben Blusen und Hemden der auf Biobaumwolle spezialisierten Marke Cotonea aus Bempflingen zu sehen waren. Mit minimalistischen Designs eroberte im Anschluss das Stuttgarter Start-up Wiederbelebt das Kraftwerk, welches seine limitierten Kollektionen ausschließlich aus Restbeständen und Überproduktionen herstellt. Mit dem studentischen Modelabel RU Enterprises war auch ein aus der Wiege der Hochschule stammendes Unternehmen dabei, welches sich im Reutlinger College Look präsentierte. Im sommerlichen Festival Look war der Künzelsauer Jeans Spezialist Mustang vertreten, dicht gefolgt von athletischen Looks des Start-ups Morotai. Den Abschluss des Themas bildete VAUDE mit sportlich-nachhaltiger Outdoorausrüstung.

Der gemütliche Teil der Modenschau im „Home Style“ machte wohl Models und Publikum am meisten Spaß. Zwei der männlichen Studierenden ließen sich entspannt auf Bettdecken aus der neuen Apelt Bettwäschekollektion nieder. Schon bald bekamen sie Gesellschaft und die kunterbunten Lieblingskissen aus Oberkirch flogen nur so über die Bühne. Ein Steiff-Pinguin mit Knopf im Flügel beendete die Kissenschlacht und eröffnete den Laufsteg für ISCO, den Stuttgarter Hersteller für Herrentag- und Nachtwäsche. Beladen mit Bettdecken und den unterschiedlichsten Kissenformen folgten Billerbeck und Centa Star und zeigten auch hier wieder die Vielfalt der textilen Angebote. So stattete Billerbeck die Models mit Daunenweste und Schlafschuhen aus und kombiniert mit einem Steiff-Eisbären im Arm war das kuschelige Ensemble perfekt. Traumhaft ging die Modenschau weiter mit aufwendig drapierten Samt-Bettläufern von Wäschekrone, fliegenden Inlets von Weidmann und Decken, Kissen und Tischwäsche von Pichler. In bunten Bademänteln von Egeria kombiniert mit Wäsche von SUSA machten die Studierenden den Übergang zu sommerlicher Bademode von Maryan Mehlhorn und Watercult perfekt, welche den Abschnitt abrundeten.

Das Thema „Future“ war das extravagante Finale der Modenschau. Die Semesterarbeiten der Reutlinger Modedesignerin Laura del Giudice mit Themen wie „Slowly takeover by nature“ und „Überwachung- The world is watching you“ beeindruckten die Gäste. In ihrer Abschlussarbeit Trencadís widmete sich Emily Häupler besonders dem spanischen Architekten Antoni Gaudi und integrierte das geschwungene Design mit Symbolen aus der Natur sowie die bunten Mosaike und die unkonventionellen Linien in ihre Werke. Es folgten die Outfits der frischgebackenen Absolventin Marina Nöhre. Mit dem Thema „Salon of Rarity“ strebte sie eine Entführung der Zuschauer in die Welt des Seltenen und Unbekannten an. Das Konzept ist eine textile Interpretation des Außergewöhnlichen und Raren. Ein weiteres abschließendes Projekt eroberte mit der Designerin Anne Schmiederer den Laufsteg. Als Inspiration für ihre Outfits diente das Wort POESIE und die zauberhafte Stimmung oder das magische Gefühl, das der Begriff umfasst wurde in den Kleidungsstücken eingefangen. Das Finale präsentierte dann die kleine Kollektion von Isabella Baumann. Mit den unterschiedlichsten Werken zu Inspirationen wie Heimat, Russland, Ballett und der Auster zeigten ihre Ideen wie vielfältig auch der Nachwuchs sein kann. Das letzte Kleid der Show trug Isabella Baumann selbst und eröffnete damit die After Show Party.

Für die gelungene Choreografie bekam Regina Widmann, Dynamic Models & Shows, kräftigen Applaus.

Die jungen Nachwuchskräfte bekamen auf der Jahrestagung ebenfalls die Möglichkeit direkt mit den Mitgliedsunternehmen in Kontakt zu treten. Um allen Studiengängen der Fakultät eine Plattform zu bieten, wurde das Projekt um eine Ausstellung erweitert. Hinter den Kulissen steckten ca. 80 Studierende und Mitarbeiter der Hochschule.

Das begeisterte Fazit aller Beteiligten sowie die Impressionen der Show bestärken den Verband: Das Textile Valley kann mit Stolz auf Vergangenheit und Zukunft schauen.

Bildübersichten zu Modenschau, Backstage und weitere Impressionen aus dem Kraftwerk finden Sie unter Downloads. In Kürze gibt es auch einen Modenschau-Film – wir werden Sie informieren, wenn es etwas zum Sehen gibt!