Karstadt: Insolvenzverwalter will Lieferantenpool

Großer Beratungsbedarf bei Textil- und Bekleidungsunternehmen

Die Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hat auch bei den Lieferanten aus dem Bekleidungsbereich große Besorgnis ausgelöst. Deshalb laufen bei den Juristen von Südwesttextil und Ge-samtmasche seit der Stellung des Insolvenzantrags am 9. Juni zahlreiche Anfragen zum richtigen Vorgehen aus den Mitgliedsfirmen ein. Angesichts der Vielzahl der betroffenen Firmen und den teilweise sehr hohen Forderungen liegt den Verbänden die Unterstützung der Mitglieder besonders am Herzen. Auch wenn die vertragliche Situation bei den einzelnen Firmen oft sehr unterschiedlich ist, lassen sich doch einige allgemeine Hinweise zusammenfassen.

Zunächst hatten die Arcandor AG, die Karstadt Warenhaus GmbH, die Quelle GmbH und die Primondo GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Kürzlich sind weitere Gesellschaften hinzugekommen. Es dürfte – nicht zuletzt wegen der von über 460 zur Gruppe gehörenden Untergesellschaften – wohl das größte Insolvenzverfahren der Nachkriegsgeschichte in Deutschland sein. Bislang wurde nur der Insolvenzantrag gestellt. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist nicht vor September 2009 zu erwarten. Es wird ein Insolvenzplan vorbereitet, dessen Ausarbeitung aber kaum vorher fertig sein wird.

Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist zwischen Depotwarenlieferanten und Lieferungen von Ware außerhalb des Depots zu unterscheiden. Für Depotverkäufe vor dem 9. Juni sind die offen stehenden Rechnungen nach bisherigem Stand Insolvenzforderungen. Soweit ein Vertrag mit der euro delcredere GmbH & Co. KG besteht, sind diese Forderungen im Rahmen des mit euro delcredere bestehenden Vertrages abgedeckt. Jeder Lieferant sollte sich bereits jetzt an euro delcredere wenden. Eine Zahlung durch euro delcredere wird voraussichtlich nicht vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfolgen. Jeder Lieferant sollte dies jedoch einzeln mit euro delcredere abstimmen und auch klären, durch wen die Zahlung dann erfolgen wird.

Bezüglich der Depotverkäufe nach dem 9. Juni liegt den Lieferanten ein Schreiben vor, wonach die Zahlung weiterer Entnahmen aus dem Depot nach dem 9. Juni "aus dem der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Mitteln" erklärt wird. Diese Zusage ist befristet bis zum 31. Juli 2009. Deshalb sollten weitere Lieferungen ins Depot mit dem Insolvenzverwalter vorher abgestimmt werden.

Wurde Ware außerhalb des Depots vor dem 9. Juni geliefert und berechnet, gilt das gleiche wie für Depotverkäufe, die vor diesem Tag ausgeführt wurden. Auch hier sollte man sich an euro delcredere wenden.Für neue Lieferungen nach dem 9. Juni hat der Insolvenzverwalter ebenfalls Zahlungszusage aus den der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Mitteln gemacht. Aber neue Lieferungen dürfen erst erfolgen, wenn die Bestellungen durch den Insolvenzverwalter schriftlich freigegeben sind oder ein entsprechendes Limit des Insolvenzverwalters für neue Lieferungen vorliegt.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg beabsichtigt die Bildung eines Lieferantenpools. Für welche einzelnen Gesellschaften dieser Lieferantenpool zustande kommen wird, ist noch ungewiss. Sicher aber kommt er für die Karstadt Warenhaus GmbH zustande. Wie zu hören ist, werden die Lieferanten hierzu in diesen Tagen angeschrieben.

Einige andere Firmen der Arcandor/Karstadt/Quelle/Primondo "Gruppe" haben ausdrücklich erklärt, dass sie von der Insolvenz des Mutterkonzerns nicht betroffen sind. Dennoch ist bei neuen Lieferungen an diese Firmen größte Vorsicht geboten. Für neue Lieferungen sollten entsprechende Sicherheiten vorliegen.