"Knackige" Tarifrunden in 2008

Textil macht Auftakt zum Mega-Tarifjahr

"Die Beschäftigten wollen Teil haben am Aufschwung", lautet die schlichte Phrase, die vermutlich nicht nur in unserer Industrie im kommenden Jahr wiederholt zu hören sein wird. Denn auch in anderen Branchen stehen harte Auseinandersetzungen bevor. Die Stahlindustrie, die sich in einer vergleichsweise guten Konjunktur befindet, verhandelt ebenfalls zu Jahresbeginn. Hier fordert die IG Metall Einkommenserhöhungen von acht Prozent. In der Metallindustrie kommt es zur Jahresmitte zu Verhandlungen über Altersausstiegsmodelle und ab Oktober wird über den Lohn gestritten. In der Holz- und Kunststoffindustrie stehen im Sommer Verhandlungen über neue Manteltarifverträge an. Und im Kfz-Handwerk brodelt es, nachdem die Arbeitgeber sich zur Kündigung aller Tarifverträge entschlossen haben. Auch in der Chemieindustrie ist zu Jahresbeginn mit einer "knackigen" Tarifrunde zu rechnen, wie die IG BCE selbst formuliert hat. Der Schwerpunkt der Auseinandersetzung dürfte sich um die Forderung nach einer Entgelterhöhung zwischen 6,5 und 7 Prozent drehen.
In diesem tarifpolitischen Umfeld bekommt die Tarifrunde in der Textil- und Bekleidungsindustrie ungeahnte Aufmerksamkeit. Manch einer befürchtet bereits, dass die IG Metall mit dem Auftakt in unserer Branche eine erste "Duftmarke" für noch höhere Abschlüsse im Mega-Tarifjahr 2008 setzen möchte.
Unterdessen warnte die Europäische Zentralbank (EZB) vor zu hohen Lohnabschlüssen. Angesichts der gestiegenen Inflationsrate befürchten die Notenbanker, dass sich ein nur vorübergehender Preisanstieg verfestigt, weil er zu höheren Lohnabschlüssen führt. Müssten die Unternehmen höhere Löhne zahlen, erhöhen sich die Preise, und aus dem vorübergehenden Preisanstieg würde dauerhafter Inflationsdruck, so beschreibt die EZB den beargwöhnten Zweitrundeneffekt. Auch vor einer weiteren Folge überhöhter Lohnabschlüsse warnen die Banker: angesichts der prognostizierten negativen Wirtschaftsentwicklung führen hohe Löhne zwangsläufig zu höherer Arbeitslosigkeit.