Knauer mahnt Autobauer

Jahrespressekonferenz zeichnet ein gemischt-positives Branchenbild

Südwesttextil kompakt - Ausgabe 3

In der dritten Ausgabe befasst sich Südwesttextil kompakt u.a. mit der Jahrespressekonferenz des Verbandes, sowie der Zertifikatsverleihung an die Auszubildenden der Abschlussklasse in der Gatex.

„Der Preisdruck auf die Lieferanten ist nochmals stärker geworden, dafür habe ich kein Verständnis.“ Mit diesen Worten kritisierte Präsident Armin Knauer auf der Jahrespressekonferenz von Südwesttextil am 13. Juli in Stuttgart das Verhalten der großen Autoproduzenten. Die Situation auf den Automärkten habe sich inzwischen deutlich verbessert, weshalb es keinen Grund gebe, aktuell solch massiven Druck auf die textilen Automobilzulieferer auszuüben, so Knauer weiter. Er appellierte an die Autobauer, den Zusammenhalt in der Lieferkette nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Mitgliedsfirmen von Südwesttextil, die Textilien für die Fahrzeugindustrie herstellen, hatten jüngst beklagt, von ihren Abnehmern zu unverhältnismäßigen Konzessionen gedrängt zu werden. Auch nach einer vom Handelsblatt am 6. Juli veröffentlichten Studie, befürchten 85 Prozent der Zulieferer, dass sie zu höheren Zugeständnissen bei den Preisen gezwungen werden. Vor allem der VW-Konzern und BMW hätten die Daumenschrauben im Einkauf bereits angezogen.

Südwesttextil moniert, dass neben dem Druck der Autohersteller auch die Kreditversicherer nach wie vor Schwierigkeiten bereiteten. Sie würden sich bei der Deckung von Warenlieferungen in der Automotivbranche unverändert zurückhaltend zeigen.

Ein weiteres Problem für die gesamte Textil- und Bekleidungsindustrie seien die massiv gestiegenen Rohstoffpreise für Baumwolle und Chemiefasern sowie deren begrenzte Verfügbarkeit, berichtete Südwesttextil gegenüber den zahlreich erschienenen Pressevertretern.

„Daher wird es für unsere Betriebe in den nächsten Monaten darum gehen, überhaupt noch ihren Rohstoffbedarf zu decken – zu welchem Preis auch immer“, meinte Knauer. Zum anderen liefen die Betriebe aufgrund der unausgeglichenen Marktsituation Gefahr, nicht mehr die Rohstoffqualitäten zu bekommen, die sie für ihr Produkt üblicherweise verwenden. „Es wird also schwieriger werden, die eigenen Qualitätsansprüche zu halten und die Kontinuität des Produktes zu gewährleisten“, befürchtete der Südwesttextil-Präsident.

Für die baden-württembergische Bekleidungsindustrie, prognostizierte Südwesttextil-Vize Hans Digel, hänge die weitere Geschäftsentwicklung wesentlich vom Auslandsgeschäft ab. Denn während der Inlandsmarkt auch im Krisenjahr relativ stabil geblieben sei, habe der Export von Bekleidung massiv Federn gelassen. Besonders der russische Markt, auf dem die deutschen Modehersteller in den letzten Jahren die höchsten Zuwachsraten erzielten, sei um fast 29 Prozent eingebrochen. „Wir sehen eine langsame Erholung, sind aber noch längst nicht wieder auf dem Vorkrisenniveau“, stellte der Nagolder Herrenausstatter fest.
Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Schwäche des Modehandels und der ungewissen Zukunft von Warenhäusern wie Karstadt empfahl Digel den Bekleidungsherstellern, ihre eigenen Stärken noch intensiver auszubauen. Um sich dem Konsolidierungsdruck in der Branche zu entziehen, müssten die Kundenwünsche besser befriedigt und dem Kunden Lager- und Marketingservice geboten werden.