Kompetenzmanagement als Personalaufgabe

Personalleiterkreis zu Gast bei Hugo Boss

"Bis auf das Wetter war heute alles perfekt", kommentierte ein Teilnehmer den diesjährigen Arbeitskreis für Personalleiter bei der Firma Hugo Boss AG am Ende der Veranstaltung. Und tatsächlich war manches noch besser als sonst. Sobald man den Regen hinter sich lassen konnte und das neue Verwaltungsgebäude von Hugo Boss betrat, war man sofort von der schlichten, klaren und modernen Optik gefangen. Im Konferenzraum fielen die hohen Sichtbeton- und Glaswände ins Auge. Auf zwei großen Leinwänden wurde eine aktuelle Modeschau eingespielt und mit Musik untermalt. Ein angenehmes, ungezwungenes Ambiente von Anfang an.

Mehr als 50 interessierte Personalvertreter aus den Mitgliedsunternehmen kamen zusammen, um sich über aktuelle Rechtsthemen auszutauschen und einen Einblick ins Unternehmen und das dort praktizierte, webunterstützte Kompetenzmanagement zu erhalten.

Gleich im Anschluss an die Begrüßung von Rechtsanwältin Judith Eckl, Director Legal and Human Resources der Hugo Boss AG, und Südwesttextilanwalt Kai-Uwe Götz, konnten die Teilnehmer bei einer Führung durch das Technologie- und Servicecenter die Fertigung am Standort besichtigen. Mit ca. 300 gewerblichen und ca. 50 angestellten Mitarbeitern wird am Standort Metzingen im Bereich klassische Herrenanzüge noch produziert. In drei Gruppen hatten die Personalleiter die Möglichkeit, die einzelnen Abteilungen Zuschnitt, Näherei und Bügelei zu besichtigen, wobei insbesondere die aufwändigen Bügelarbeiten am Ende der Fertigung die Teilnehmer überraschten. Aber auch die Handnäharbeiten bei der Konfektionierung der Marke "Boss Selection2 beeindruckten.

Mit großem Interesse verfolgt wurde der anschließende Vortrag von Nina Eberlein, Head of Strategic Training & Development bei Hugo Boss. Nach der Präsentation des weltweit agierenden Unternehmens wurden die verschiedenen Angebote und Leistungen für Mitarbeiter vorgestellt. Die Identifikation mit der Firma wird von Beteiligungen am Unternehmenserfolg durch eingeführte Mitarbeitererfolgskonten bis hin zu freien Eintrittskarten über die Hugo Boss Museumskarte gefördert und erreicht dadurch fast die Qualität von familiärer Verbundenheit. Jährlicher Höhepunkt – auch in Zeiten der Krise – ist die Weihnachtsfeier, zu der alle Mitarbeiter gemeinsam mit vielen Prominenten geladen werden.

Besonders wichtig sei es dem Unternehmen aber auch, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu eröffnen, die eigenen Fähigkeiten über ein bestehendes Kompetenzmanagement weiterentwickeln zu können, so Eberlein. Hiervon haben nicht nur die Mitarbeiter Vorteile. Die positiven Auswirkungen der Weiterbildung auf Kundenzufriedenheit, bessere Qualität der Arbeit oder Prozessoptimierungen schlagen sich direkt auf den Umsatz nieder. Dadurch können die entstehenden Kosten unmittelbar gerechtfertigt werden. Hugo Boss arbeitet im Bereich Kompetenzmanagement mit einem webbasierten System, in welchem die Kompetenzen der Mitarbeiter von ihnen selbst und von ihren Vorgesetzten unabhängig von einander eingeschätzt werden. Im anschließenden Feedback-Gespräch werden die einzelnen Positionen abgeglichen und bei Abweichungen vom Soll-Profil passende Entwicklungsmaßnahmen abgestimmt. Bei Bewertungsdifferenzen wird der Mitarbeiter nicht mit dem Vorwurf konfrontiert, er würde sich falsch einschätzen, sondern es wird mit ihm nach Lösungen gesucht, wie seine wahrgenommenen Kompetenzen auch für die anderen sichtbar werden.

Im Anschluss an diesen Vortrag nutzte Rechtsanwalt Nathan Binkowski – seit Februar in der Rechtsabteilung von Südwesttextil tätig – die Gelegenheit, sich dem Arbeitskreis persönlich vorzustellen. Dabei erläuterte er die wichtigsten Änderungen der aktuell überarbeiteten Arbeitsverträge in den Klauseln: Versetzung, Abgeltung von Überstunden, Verweisung auf Tarifverträge und den Widerruf von Zulagen.

Vorgestellt wurden auch das mit der IG Metall im Rahmen der Verhandlungen zum Entgeltrahmentarifvertrag bisher erarbeitete Bewertungsschema und der aktuelle Verhandlungsstand. Rechtsanwalt Kai-Uwe Götz erläuterte die Bewertungsmerkmale und die Gewichtung der einzelnen Merkmale zueinander und stellte fest, dass die Verhandlungen mit der IG Metall zurzeit sehr konstruktiv und zeitnah geführt würden.

Auch ein aktuelles EuGH-Urteil beschäftigte den Arbeitskreis. Bei der Berechnung der Beschäftigungsdauer seien Zeiten vor Vollendung des 25. Lebensjahres im Gegensatz zur bisherigen gesetzlichen Regelung in § 622 Abs. 2 Satz 2 BGB nunmehr zu berücksichtigen, so Rechtsanwalt Boris Behringer. Die Entscheidung habe nur bei den gewerblichen Mitarbeitern Auswirkung auf die tariflichen Kündigungsfristen im Textil- und Bekleidungsbereich. Bei Bekleidung bleibe es bei den kurzen tariflichen Kündigungsfristen, allerdings müsse bei der Berechnung der Betriebszugehörigkeit jetzt auch der Zeitraum vor Vollendung des 25. Lebensjahres miteinbezogen werden. Bei Textil sei lediglich noch bei einer Betriebszugehörigkeit von unter zwei Jahren die tarifliche Kündigungsfrist mit zwei Wochen zum Wochenende im Vergleich zur gesetzlichen Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende kürzer. Im Übrigen würden die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten.

Im Anschluss an die Sachthemen war ausreichend Zeit zum freien Meinungsaustausch, an welchem sich auch noch andere Führungsmitarbeiter aus dem Personalbereich der Hugo Boss AG beteiligten.

Die Unterlagen zur Veranstaltung können im Mitgliederbereich unter Downloadpool heruntergeladen werden.