Konfliktmineralien in der Lieferkette

Nach den USA will auch die EU neue Nachweispflichten einführen

Gold

Der US-amerikanische Dodd-Frank Act verpflichtet US-Firmen, die Verwendung so genannter Konfliktmineralien in ihren Produkten offenzulegen. Es geht um Gold, Tantal, Wolfram und Zinn, die im Englischen kurz als "3TG" bezeichnet werden, aus den Konfliktgebieten in der und um die Demokratische Republik Kongo. In diesem Jahr greift die Berichtspflicht erstmals für alle börsennotierten Unternehmen. Außerdem dürften viele Firmen einen freiwilligen Herkunftsreport abliefern. Rückverfolgt wird bis zur Schmelzhütte bzw. bis zum Ursprungsland der Erze. Entsprechend landeten im Verlauf des letzten Jahres immer wieder Anfragen US-amerikanischer Kunden zu 3TG bei deutschen Lieferanten - auch in der Textilindustrie.

Bald dürfte die Rückverfolgung von 3TG auch in der Europäischen Union verpflichtend werden. Die Generaldirektion Handel der EU-Kommission hat hierzu 2013 eine öffentliche Konsultation durchgeführt. Ihr Fazit: Ein Schema nach US-Vorbild ist wünschenswert, allerdings unter Einbeziehung von mehr Ländern. Dass dabei das Pferd von hinten aufgezäumt, jede Menge Bürokratie geschaffen und am Problem kaum etwas geändert wird, scheint in dem hochpolitisierten Diskurs ohne Belang. Statt am Anfang der Kette bei den Schmelzhütten anzusetzen, wird der europäische Mittelstand zu einem sinnlosen Papierkrieg verdonnert.

Bei Textilprodukten können Gehalt und Verwendung von 3TG zumeist ausgeschlossen werden - allerdings nicht immer. Zuweilen wird sogar explizit mit metallischen Inhaltsstoffen geworben. Ein Beispiel sind Nanoausrüstungen auf Goldbasis. Doch auch im Fall 3TG-freier Produkte können sich Hersteller nicht einfach zurücklehnen, denn auch sie werden von ihren Kunden zur Rückmeldung aufgefordert. In den Bereichen Automobil und Elektro/Elektronik wurden hierfür bereits Standardlösungen entwickelt. Ein Beispiel ist die Online-Plattform iPoint, mit der Informationen entlang der Lieferkette weitergegeben werden können. Für Zulieferer, die nur Meldungen abgeben und nicht ihre eigenen Lieferanten ansprechen müssen, ist der Service kostenlos. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Mancher Zertifizierer wittert schon gute Geschäfte. Gleichzeitig wird es schwieriger, Informationen zu interessanten Zulieferquellen intern zu halten.

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