Kräftig ins Zeug gelegt

Textilkollegiaten verabschiedet

Im dualen System eine Ausbildung in einem Textilberuf absolvieren und gleichzeitig die Fachhochschulreife erwerben: Die Gewerbeschule Schopfheim machtás möglich. In ganz Deutschland ist die Schopfheimer Gewerbeschule die einzige, die ein dreijähriges gewerblich-technisches Berufskolleg der Fachrichtung Textiltechnik anbietet. Am 15. Februar erhielten die Absolventen des zweiten Ausbildungsgangs ihre Abschlusszeugnisse. 20 Azubis aus ganz Baden-Württemberg waren ursprünglich angetreten, elf hielten durch, zehn erwarben die Fachhochschulreife, zwei von ihnen studieren bereits.
Drei Voraussetzungen gibt es für den kostenlosen Besuch des Berufskollegs: ein mittlerer Bildungsabschluss, ein Ausbildungsvertrag mit einem Textilunternehmen und der Wille, sich drei Jahre lang kräftig ins Zeug zu legen. Wie der Leiter der Gewerbeschule, Ralf Dierenbach, während der Abschlussfeier feststellte, brannte in den Räumen der Textilkollegiaten oft noch das Licht, wenn alle anderen Schulbesucher bereits Feierabend hatten: "Respekt vor ihrer Leistung!".

Der praktische Teil der Ausbildung als Textilmechaniker, -veredler, -laborant oder Produktgestalter Textil erfolgt im Ausbildungsbetrieb und/oder einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte wie der Gatex. Für den theoretischen Teil ist die Gewerbeschule zuständig. Nach erfolgreichem Abschluss ist man Facharbeiter und Besitzer des Zertifikats "Staatlich geprüfter Berufskollegiat der Fachrichtung Textiltechnik". Hiermit steht einer Weiterbildung als Textiltechniker oder Industriemeister Textil nichts mehr im Wege. Durch Zusatzunterricht während der dreijährigen Ausbildungszeit und eine Zusatzprüfung in Englisch und Mathematik kann der Fachhochschulabschluss erworben werden, als Voraussetzung für das Studium an einer Fachhochschule.

Einer der Festredner bei der Abschlussfeier war Klaus Nieder, Professor an der Fachhochschule Kaiserslautern, Standort Pirmasens. Er hatte einst an der Gewerbeschule Schopfheim unterrichtet, zu einer Zeit, in der die Textilerklassen vor Ort noch gefüllt waren mit Azubis aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut. 2007 dagegen, so Nieder, habe es bundesweit gerade noch 221 Absolventen der Ausbildung zum Textilveredler gegeben, in den anderen Textilberufen sehe es ähnlich aus. Laut Gewerbeschul-Flyer gibt es in ganz Deutschland noch 1 700 Textilunternehmen, diese haben sich überwiegend auf die Herstellung anspruchsvoller technischer Textilien etwa für Industrie, Fahrzeugbau, Medizin und Rettungsdienste spezialisiert.
Auf dem globalen Markt jedoch nehme der Mangel an Textil-Fachkräften zu, stellte Nieder fest: "Zur Zeit herrschen paradiesische Zustände für Textilingenieure". Viele deutsche Textilingenieure sammelten mittlerweile ihre Berufserfahrungen in China und Südamerika, meinte Nieder: "Die Welt steht ihnen offen und baut auf ihren Fachverstand". Ab 2010 werden an deutschen Fachhochschulen nur noch Studiengänge zum Bachelor und Master angeboten, diese Abschlüsse werden weltweit anerkannt.

Dr. Markus H. Ostrop, Hauptgeschäftsführer von Südwesttextil, überreichte mit Vergnügen die Preise des Verbandes für besonders gute Leistungen an die Kollegiaten Anne Gerbig und Benjamin Schneider. Schneider hat bereits mit dem Studium begonnen – mit einem Stipendium seines Ausbildungsbetriebs.
Die weiteren Absolventen sind: Anna Hollmann, Julia Quentmeier, Annika Janzer, Ümmühan Gök, Elif Öztürk, Verena Keppler, Gabriel Weber, Dennis Nermerich, Michael Koslowsky.

Text und Foto: Silke Hartenstein