Kreditversicherer in der Pflicht

Südwesttextil-Vorstand fordert Taten statt Worte

Die Vorstandssitzung von Südwesttextil am 21. November wurde durch einen Vortrag zur aktuellen Entwicklung beim Thema Kreditversicherung bereichert: Ulrike Stahl, Senior Sales Manager des Marktführers Atradius, und ihre Kolleginnen Nicole Bludau und Sabine Weesbach präsentierten Funktionsweise und aktuelle Bewertungsmechanismen im Kreditversicherungsmarkt. Insbesondere stellten sie die Maßnahmen vor, die Atradius zur Verbesserung des Versicherungsschutzes ergriffen hat.

Durch intensiveren Kundenkontakt, mit mehr Information und Transparenz will Atradius eine größere Krisenfestigkeit zum Wohle aller Beteiligten erzielen. Unter anderem hält sich Atradius heute an eine Kündigungsfrist von 30 Tagen, bevor Limits zurückgestutzt oder gestrichen werden – es sei denn, ein Versicherungsunternehmer befindet sich aus Sicht des Versicherers in "Insolvenzgefahr". Ein modulares Konzept soll für einen verbesserten Deckungsschutz sorgen.

Den Textilunternehmern geht das längst nicht weit genug. So regte Georg Saint-Denis, Geschäftsführer von Global Safety Textiles und Vorstandsmitglied bei Südwesttextil, an, Atradius möge neben einer offiziellen Entschuldigung auch die Rückzahlung von Prämien wegen vorenthaltener Leistungen vornehmen. "Jahrelang haben Textil- und Bekleidungsunternehmen ihre Prämien entrichtet, um im Ernstfall abgesichert zu sein. Aber als es wirklich darauf ankam, haben Atradius und die anderen Kreditversicherer die Regenschirme eingezogen. Unter ehrbaren Kaufleuten ist das so: Wo keine Gegenleistung da ist, muss der Kaufpreis zurückerstattet werden."

Auch anderen Vorstandsmitgliedern ist das Verhalten der Kreditversicherer in vielen Unternehmen noch lebhaft in Erinnerung. In der Hochphase der Finanz- und Wirtschaftskrise kürzten die Versicherer meist ohne Vorlauf Deckungssummen und erhöhten ihre Prämien. "Obwohl Textil- und Bekleidungslieferanten bei ihren Fachhandelskunden kaum Forderungsausfälle verzeichneten, wurde deren Bonitätsbewertung radikal nach unten geschraubt", kritisiert Dr. Thomas Wagner vom Tischwäschehersteller Pichler. Tatsächlich wurden manche Kunden überhaupt nicht mehr versichert. Der Mangel an Versicherungsschutz habe die Krise weiter verschärft, so der Vorwurf der Unternehmerschaft.

Die Ertragslage von Atradius entwickelt sich indessen stabil. Nachdem der Versicherer, der zur spanischen Grupo Catalana Occidente gehört, 2009 aufgrund umfassender Prämienausfälle in die Verlustzone gerutscht war, lag sein Gewinn 2010 immerhin bei knapp 125 Millionen Euro.