Kreditversicherung: Gespannte Ruhe

Nachfrage nach staatlicher Zusatzdeckung ist verhalten

Die staatliche Hilfe bei Kreditversicherungen wird bislang nur selten in Anspruch genommen. Nach Angaben des Versichererverbands GDV wurden von Januar bis April gerade einmal 379 Versicherungsverträge abgeschlossen, bei denen die Zusatzdeckung zum Einsatz kam.

Ende 2009 hatte die Bundesregierung ein Hilfspaket für Unternehmen geschnürt, da sich die Versicherer im Zuge der Krise äußerst restriktiv verhielten und die Deckungssummen deutlich kürzten – genau zu der Zeit, in der die Kunden am dringendsten auf ausreichenden Schutz angewiesen waren. In der Textil- und Bekleidungsindustrie sind dadurch ganze Lieferketten in Gefahr geraten.

Das so genannte Top up-Modell ermöglicht es Unternehmen, die Deckungssumme des auf dem Markt erworbenen Versicherungsschutzes zu erhöhen, im Maximalfall zu verdoppeln. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dafür 7,5 Mrd. Euro bereitgestellt. Der Prämiensatz beläuft sich dabei auf 2,88 Prozent der Deckungssumme. Wenn Limits nicht nur gekürzt, sondern ganz gestrichen wurden, gibt es jedoch keine staatliche Deckung.

Die in den ersten vier Monaten des Jahres geschlossenen Top up-Verträge beziehen sich auf ein Volumen von gerade einmal 83 Mio. Euro. Das gesamte Marktvolumen der Kreditversicherungswirtschaft beläuft sich auf Beträge im dreistelligen Milliarden-Bereich. Daran gemessen spielt das staatliche Angebot eine geringe Rolle. Das ist Wasser auf die Mühlen der Versicherer, die sich lange gegen den staatlichen Eingriff gesträubt hatten.

Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass das Top up-Modell nicht in den Fällen hilft, in denen – teils ohne sachlich nachvollziehbare Gründe – Deckungen komplett gestrichen wurden.

Außerdem ist der staatliche Zusatzschutz nicht umsonst, sondern zu marktüblichen Preisen zu haben. Die große Nachfrage ist ausgeblieben, aber sicher hat dieses Instrument zur Beruhigung des Marktes beigetragen.

Das lässt sich auch an der Entwicklung der geschlossenen Top up-Verträge ablesen: Von 144 im Januar ging ihre Zahl im April auf 32 zurück. Zum Teil haben die Lieferanten inzwischen auch alternative Absicherungswege gefunden.

Bei der Top up-Lösung steht die staatlich abgesicherte Deckungssumme immer in Bezug zu der Deckungssumme, die auch auf dem freien Markt noch versichert werden kann. Frankreich hat sich demgegenüber für eine Ground up-Lösung entschieden. Hier ist die staatliche Versicherung auch dann möglich, wenn am Markt keine Deckung mehr bereitgestellt wird.

Euler Hermes hat angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Entspannung eine liberalere Risikopolitik angekündigt. Die Kreditversicherer rechnen für 2010 allerdings nur mit schwachem Wachstum in Westeuropa und einem weiteren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Eine deutliche Lockerung der Zeichnungspolitik ist daher vorerst nicht zu erwarten.