Kreditversicherungen: Top up oder Flop

Weiterer Preisanstieg und unsichere Wirkung der Staatshilfe

Prämienerhöhungen und Limitkürzungen der Kreditversicherer bleiben ein heißes Thema. Marktführer Euler-Hermes hat für 2010 Prämienerhöhungen von 10 bis 15 Prozent angekündigt, um seine Schaden-Kosten-Quote wieder auf unter 100 Prozent zu drücken. Auch die anderen Versicherer ziehen ihre Preise an. Höhere Prämien drohen selbst bei Schadensquoten von Null Prozent.

Dies bedeutet, dass die Textil- und Bekleidungsindustrie nach den massiven Preissteigerungen, Limitkürzungen und Streichung zahlreicher Kunden aus der Deckung im vergangenen Jahr immer noch nicht aufatmen kann.

Nach scharfen Protesten der Industrie in 2009 gegen die restriktive Zeichnungspolitik der Kreditversicherer hat die Bundesregierung das sogenannte Top up-Modell eingeführt. Das Modell soll helfen, die durch Limitkürzungen entstandenen Versicherungslücken zu schließen. Dafür hat der Bund bis zum Jahresende 7,5 Mrd. Euro bereitgestellt. Doch die neuen Staatsdeckungen spielen nach Aussagen von Euler-Hermes eine geringe Rolle im Markt, da auch der Staat risikoadäquate Prämien verlange und nicht jedes Risiko versichere.

Umso dringlicher ist die Frage, ob das Top up-Modell die betroffenen Unternehmen inzwischen tatsächlich erreicht. Zum einen gibt es Zweifel, dass jeder Kreditversicherer jedem Kunden das Produkt wirklich anbietet. Zum anderen weist das Modell einige Schwächen auf. Insbesondere bietet es keinen Ausweg, wenn ein Kreditversicherer jegliche Deckung verweigert.

Mitgliedsunternehmen von Südwesttextil werden daher gebeten, sich an einer Befragung des Gesamtverbandes textil+mode zur aktuellen Lage am Kreditversicherungsmarkt zu beteiligen (siehe Befragung).