Lebenslanges Lernen braucht lebenslange Beratung

2. Hochschullehrerforum textil+mode in Berlin

Ende November fand in Berlin die zweite Tagung des Hochschullehrerforums des Gesamtverbands textil+mode statt. In verschiedenen Vorträgen wurden die Herausforderungen des lebenslangen Lernens für Hochschulen und die Wirtschaft verdeutlicht.

Lebenslanges Lernen als Chance und Herausforderung von Hochschulen und Studieninteressierten war das Thema von Dr. Walburga Katharina Freitag, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Sie berichtete, dass die Europäische Union mit dem Qualifikationsrahmen einen idealtypischen Kontext für das lebenslange Lernen geschaffen hätte. Damit könnten sich die Arbeitnehmer zur Arbeitssuche oder Berufsausbildung in den Ländern der EU aufhalten. Die räumliche Bildungsmobilität und die transnationale sowie transinstitutionelle Anerkennung von Lernergebnissen und Qualifikationen würden so aufs Engste miteinander verknüpft. Anrechnung und Anerkennung von Abschlüssen, Zertifikaten u. ä. würden so zum "Dreh- und Angelpunkt". Eine stärkere Durchlässigkeit der Bildungswege würde damit als Ziel vorgegeben. Doch wie sieht der Status quo in Deutschland aus? Einer Studie des DZHW zufolge steige die Anzahl der Studienanfänger mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung an. Die Zahl der Studienanfänger, die über den sogenannten dritten Bildungsweg an die Hochschulen kämen, d.h. ohne Abitur oder Hochschulreife, läge derzeit nur bei fünf Prozent. Insgesamt würden die privaten Hochschulen bessere Angebote für diese Gruppe machen. In Zukunft würden sich jedoch immer mehr Hochschulen auf Bedarfe an berufsbegleitenden Studiengängen einstellen müssen. Nicht zuletzt fordere das lebenslange Lernen ein Mentoringsystem an den Hochschulen, so die Referentin.

Mit diesem Thema befasste sich Dr. Bernhard Jenschke, Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung e. V. (nfb). "Lebenslanges Lernen braucht lebenslange Beratung", war seine Forderung. Dies müsse dazu führen, dass sich die Teilnahmequote an Bildungsgängen erhöht und eine Senkung der Abbruchquote erzielt werden kann. Außerdem hätte Beratung einen Beitrag zur Chancengleichheit zu leisten und solle dazu beitragen, dass der Lernende seine eigene Laufbahnentwicklung (Career-Management) gestalten kann. Ziel müsse es seiner Meinung nach sein, eine lebensbegleitende Beratung umzusetzen.

Dr. Michael Baer, Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw), zeigte in seinem Beitrag das Engagement der Wirtschaft für Bildung. Die Stiftung der deutschen Wirtschaft biete Stipendien und Förderprogramme für 1 700 leistungsstarke Studierende und Promovierende mit Unternehmergeist und Gemeinsinn an. Der "Elternkompass" sei das Informations- und Beratungsangebot für Stipendien und mit "Universum Wirtschaft" biete die Stiftung eine ökonomische Grundbildung für Lehramtsstudierende.

An der Pädagogischen Hochschule Freiburg wird derzeit ein textiles Experimentierkastensystem als Lehr- und Lernmaterial entwickelt, mit dem Schülern z. B. die Funktionsweise und die Beschaffenheit textiler Objekte im naturwissenschaftlichen Unterricht und in fächerübergreifenden Unterrichtsprojekten erklärt werden kann. Im Rahmen der Veranstaltung wurde das Konzept der TEXperten-Box und des TEXperten-Koffers vorgestellt. Die Teilnehmer konnten Experimentiermaterialien zu verschiedenen Themen, z. B. Bekleidungsphysiologie, Warenkunde, Funktionstextilien und Bionik etc. ausprobieren und mit den Materialien selbstständig experimentieren. Mit Hilfe der Materialien und Experimente können künftig den Schülern im Unterricht die Textil- und Modeberufe näher gebracht werden. Das unterstützt sie bei der Berufsorientierung. Die Vorträge gibt es im Mitgliederbereich zum Download.

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