Leichtbau muss gebündelt werden

Expertengespräch in der Villa Reitzenstein

"Es wird Zeit für eine Bestandsaufnahme." Mit diesen Worten begrüßte Prof. Dr. Heinrich Planck, stv. Vorsitzender der AFBW, die Teilnehmer zum Kamingespräch zum Thema Leichtbau in der Villa Reitzenstein. Gemeinsam hatten die Koordinierungsstelle für Leichtbau und die AFBW - Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden-Württemberg - zum Meinungsaustausch eingeladen. Prof. Dr. Claus Eiselstein, Ministerialdirigent im Staatsministerium Baden-Württemberg, betonte das Engagement des Landes im Leichtbau und die hervorragenden Kompetenzen in Industrie und Forschung.

Energie- und Ressourceneffizienz werden zunehmend bestimmende Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit des produzierenden Gewerbes. Vor allem im Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau, der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt, der Textilindustrie sowie der Bauindustrie wird der Leichtbau als eine bedeutende Zukunftstechnologie gesehen, stellte Prof. Dr. Heinz Voggenreiter, Direktor, Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, in seiner einführenden Moderation dar. Welche Lösungen sind notwendig und welchen Beitrag kann der Leichtbau leisten?

Fragen, die die baden-württembergischen Experten aus Politik, Industrie und Wissenschaft zu beantworten suchten. Mit dem vermehrten Einsatz von Leichtbautechnologien gehe ein Strukturwandel einher, der Veränderungen für die Großindustrie, aber auch für kleine und mittelständische Unternehmen und die Arbeitskräfte mit sich bringe. Völlig neue Technologien müssten bei Konstruktion, Fertigungstechnik oder Recycling eingesetzt werden. Viele der heutigen Fachkräfte könnten die Anforderungen dieses technologischen Wandels noch nicht erfüllen.

Die kleine und mittelständische Industrie müsse animiert und unterstützt und die Chancen dieser Querschnittstechnologie genutzt werden.

Das Resümee des Abends: Um Leichtbauwerkstoffe und -technologien in bezahlbaren und kundenorientierten Produkten umsetzen zu können, müsse die interdisziplinäre Verzahnung innerhalb der komplexen Prozesskette vorangetrieben werden. So könnten die vorhandenen Kompetenzen und Infrastrukturen optimal genutzt werden. Gleiches gelte für die vorhandenen Netzwerke und Verbände. "Ein unglaubliches Potenzial im Leichtbau für den Südwesten" sieht Günther Leßnerkraus, Ministerialdirigent im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft. Das Land habe beste Voraussetzungen um diese Zukunftstechnologie voranzutreiben. Baden- Württemberg müsse allerdings aus dem "Leichtbau-Dschungel" herauskommen und die Vielstimmigkeit müsse "ein Gesicht" bekommen.

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