Let's talk about ... the future of fashion!

Hoch über Stuttgart im Bahnhofsturm talkte die Branche beim neuen Netzwerk-Event von Südwesttextil

Horst Lenk, Aysen Bitzer und Peter Haas (v.l.n.r.)
Foto: Horst Lenk, Aysen Bitzer und Peter Haas (v.l.n.r.)

Mit einem neuen Veranstaltungsformat überraschte Südwesttextil am 31. Mai seine Mitglieder, Presse und Freunde des Verbands: Gemeinsam mit dem Netzwerk der Frauen des Wirtschaftsrats Baden-Württemberg lud der Verband zum ersten Netzwerk-Event für Textil und Mode in Baden-Württemberg in den Skyroom des Bonatz im Bahnhofturm Stuttgarts ein – zu „Let's talk about Tex!“

Aysen Bitzer, Stuttgarter Designerin und Unternehmerin (die Frau der Bluse vom Label „0039 italy“) und Horst Lenk, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg, Inhaber der Mode Lenk GmbH in Pforzheim, diskutierten mit Jürgen Leuthe, Geschäftsführender Gesellschafter des Bekleidungsherstellers Hauber in Nürtingen und der Modemarke „Luisa Cerano“, und Prof. Dr. Stefan Hencke, Professor für Betriebswirtschaft an der FH Trier, Agenturinhaber in Stuttgart sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Balluun AG, Schweiz unter Moderation von Südwesttextil-Hauptgeschäftsführer Peter Haas.

Die Fragen, ob das Modesystem wirklich desolat ist und wie das digitale Zeitalter die Mode verändert, standen im Mittelpunkt, denn die Schlagzeilen der letzten Monate waren alarmierend: „Alle Systeme der Modeindustrie sind tot“ (Handelsblatt), „Vielen deutschen Textilherstellern geht es schlecht“ (Badische Zeitung), „Textilbranche risikoreich“ (TextilWirtschaft) oder „Shoppen ist langweilig geworden“ (Süddeutsche Zeitung). Ist das Modesystem wirklich „kaputt“, wie die Zeitung „Die Welt“ behauptet?

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Jüßrgen Leuthe

Andere sagen, gerade Baden-Württemberg als nach wie vor stärkste Textilregion Deutschlands, als Heimat bekannter, erfolgreicher, wie auch aufstrebender neuer Marken muss nicht in den Abgesang einstimmen. Doch: Wie hält man den Stürmen stand? Wie wird man schneller, flexibler, kundenorientierter? Wie verändert das digitale Zeitalter die Mode? Und was sind die Bedingungen, dass sich Hersteller in Deutschland behaupten können? Welche Rolle spielt der Handel dabei? Der radikale Wandel des Modehandels stellt viele Hersteller vor große Herausforderungen, denn Modeketten wie Primark, H&M oder Zara haben in den vergangenen Jahren immer mehr Einzelhändler, Boutiquen und kleinere Textilhäuser in den Innenstädten im Bundesgebiet verdrängt.

Damit Markenhersteller ihre Produkte nach wie vor gut verkaufen können, da waren sich alle vier Experten einig, ist Individualität und Qualität das A&O. Für den Einzelhändler ist es nicht leicht, sich bei immer ähnlicher Ware abzuheben. „In Deutschland gibt es derzeit über 54 000 eingetragene Marken. Wer soll sich die merken“, fragte Prof. Stefan Hencke. Hier sei eine gute Markenpolitik wichtig, so Horst Lenk. Darüber hinaus sei es entscheidend, seine Stammkundschaft zu kennen und danach die Kollektionsteile zu ordern. Und dann natürlich Service, Service und nochmals Service: „Wir umarmen unsere Kunden“, so Lenk.

Prof Dr. Stefan Hencke (links)
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Foto: Prof Dr. Stefan Hencke (links)

Dennoch wird der lokale Handel im Gegensatz zum Online-Handel immer Chancen haben, wenn man es schafft, die Innenstädte attraktiv zu halten, so die einhellige Ansicht der Expertenrunde. Der Modehandel benötige beides – den Online- und den Offline-Handel und könne nur gemeinsam, jeweils in Ergänzung, erfolgreich werden und bleiben, so Jürgen Leuthe.

Um sich als Marke positiv abzugrenzen und dauerhaft in Erinnerung zu bleiben, bedarf es „Storytelling“, die Darstellung und Erzählung einer spannenden Geschichte rund um die jeweilige Marke. Ein Paradebeispiel hierzu ist die Geschichte des Blusenlabels „0039 italy“ von Aysen Bitzer, die die engagierte Designerin und Unternehmerin den fasziniert zuhörenden Gästen launig erzählte.
Prof. Dr. Stefan Hencke hingegen ist der festen Überzeugung, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre ein Wandel mit Hilfe von Hologrammen stattfindet, die Produkte und Objekte dreidimensional in Szene setzen. Der Kunde hat somit die Möglichkeit, die Ware am eigenen Körper als 3D Hologramm zu betrachten.

Digitalisierung schreitet auch im Textilbereich unaufhörlich voran. Die Herausforderung ist, die sich bietenden Chancen für neue Geschäftsmodelle zu nutzen. Eine kreative Branche wie die Textilindustrie wird es daher auch künftig schaffen, sich den sich stellenden Aufgaben erfolgreich zu stellen - da waren sich die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer unisono einig.

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