Heimische Hersteller richten Hilferuf an die Bundeskanzlerin

Mit der neuerlichen Lockdown-Verlängerung steht die Existenz von 960 Unternehmen der deutschen Mode- und Schuhindustrie mit rund 96 000 Arbeitsplätzen auf dem Spiel.

SOS Hilferuf
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Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie: „Wer die Läden fast ein Vierteljahr schließt, hat die Verpflichtung den Unternehmen zu helfen, die ihre Waren dort nicht mehr verkaufen können. In zahlreichen Krisengesprächen mit den politisch Verantwortlichen haben Vertreter der Mode- und Schuhindustrie die dramatische Lage geschildert. Den heimischen Herstellern bleibt dennoch der Zugang zur Anrechnung des Wertverlustes von Winter-Saisonware auf die Fixkosten verwehrt. Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium lassen die heimischen Hersteller im Stich.“

In einem Brief haben sich der Gesamtverband textil+mode und der Modeverband GermanFashion auch an die Bundeskanzlerin gewandt. Darin heißt es: „Wo keine Ware mehr verkauft werden kann, ordern die Händler auch keine neue. Dies hat bereits jetzt massive Folgen für uns bis weit ins nächste Jahr. (…) Es darf nicht sein, dass die Corona-Pandemie ausgerechnet die mittelständischen Bekleidungs- und Schuhhersteller vernichtet, die werthaltige Mode produzieren und die im In- und Ausland für gute Arbeitsplätze und weltweit anerkannte Umwelt- und Sozialstandards sorgen.“

70 Prozent der werthaltigen Mode, bei Schuhen sogar rund 80 Prozent, werden im stationären Handel verkauft. Damit gleichen die Umsätze im Online-Geschäft die Umsatzeinbrüche der mittelständischen Unternehmen nicht einmal im Ansatz aus. Mit den jetzt beschlossenen Hilfen verschärft die Bundesregierung den Wettbewerb mit globalen Fast Fashion-Ketten zu Lasten der deutschen Industrie und gefährdet Traditions- und Familienunternehmen, die vor Ort für Arbeitsplätze, Ausbildung und Wertschöpfung sorgen.

„Fast drei Monate inklusive Weihnachtsgeschäft ist unser wichtigster Absatzkanal, der Modeeinzelhandel, überwiegend geschlossen. Unsere Unternehmen tragen in vielen Fällen das volle Verkaufsrisiko, weil sie ihre Kollektionen dem Handel in Kommission oder anderen vergleichbaren Vertragskonstellationen überlassen. Sie sind also direkt Betroffene des Lockdowns“, so Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion. Seit einem Jahr fehlen durch die Corona-Beschränkungen die Anlässe für den Kauf von Bekleidung. Auch die Export-Zahlen leiden massiv unter der Pandemie. Umsatzeinbrüche mit bis zu 45 Prozent sind die Folge; die Branche wird Jahre brauchen, um sich von diesen Einbrüchen zu erholen.