Lotse in der regulierten Welt

Gesamtverband textil+mode verabschiedet Strategiekonzept

Die Gremien des Gesamtverbandes textil+mode verabschieden Anfang Dezember in Berlin ein neues Strategiekonzept. Mit klar formulierten Arbeitszielen will die Interessenvertretung ihre Aufgaben transparenter und zielgerichteter wahrnehmen und den Anliegen in der Öffentlichkeit größeres Gehör verschaffen. Gleichzeitig setzt der Gesamtverband damit Schwerpunkte für seine Tätigkeit im nächsten Jahr. Daneben kommt der textilen Interessenvertretung in Brüssel immer stärkeres Gewicht zu.

Botschaften
Eines der wichtigsten Ziele sieht der Gesamtverband textil+mode in der Schaffung von Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Erfolg der deutschen Textil- und Bekleidungsindsutrie. Dazu ist es erforderlich, ein gutes Branchen- und Verbandsimage zu schaffen und konkrete Ziele und Maßnahmen zu definieren. Die Botschaften zum Aufbau dieses Images lauten: Die Branche ist stark, kreativ, modern und innovativ. Sie ist die größte Konsumgüterbranche in Deutschland und erfolgreich auf dem internationalen Markt. Sie ist als High-Tech-Industrie weltweit größter Hersteller und Exportweltmeister von Technischen Textilien. Die Branche hat eine der innovativsten Forschungslandschaften in der Welt, setzt mit starken Marken Akzente in Mode und Design und belegt mit dem Innovationspreis t+m Kreativität und Innovationsgeist des Nachwuchses sowie das Interesse an der Industrie. Schließlich engagiert sie sich im effizienten und nachhaltigen Einsatz von Ressourcen und im Umweltschutz.

Durchsetzungskraft
Basis für eine erhöhte Schlag- und Durchsetzungskraft des Gesamtverbandes sind festgeschriebene und veröffentlichte politische Grundsätze. Ferner wird ein gegenseitiger fairer Marktzugang ohne Protektionismus verlangt. "Wir bekennen uns zur WTO und treten für Rahmenbedingungen ein, die den internationalen Handel durch multilaterale Abkommen erleichtern."

Geistiges Eigentum
Ideen und Wissen, das einfließt in Patente, Marken und Design, sind für die Branche von zentraler Bedeutung. Geistiges Eigentum muss geschützt werden, um zu verhindern, dass Unternehmen um den Lohn ihrer Forschung, ihrer Investitionen und ihres Marketing gebracht werden. Hierzu schlägt der Gesamtverband die Erstellung einer Ist-Analyse durch Euratex vor zu der Frage: Wie wird der Schutz geistigen Eigentums in den EU-Mitgliedstaaten gewährleistet und wo bestehen Defizite? Ferner wird eine bessere Zusammenarbeit der Zollbehörden nationaler und europäischer Ebene gefordert.

Forschung und Innovation
Im rohstoffarmen Deutschland sind Ideen und Wissen und daraus hervorgehende Innovationen der entscheidende Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. "Wir benötigen eine permanente Innovation, um den Vorsprung, den wir auf vielen Gebieten haben, zu halten". Die Zusammenarbeit zwischen Instituten und Industrie muss deshalb vertieft werden, um die Ergebnisse der Textilforschung rascher in faßbare Technologie umzusetzen.
Konkrete Maßnahmen hierzu sind die Definition der Technologiefelder der Zukunft ("Forschung 2020"); eine Ist-Analyse der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten; Schritte zur Erweiterung der forschenden Unternehmen; das Feststellen der tatsächlichen Forschungsfelder in der europäischen Textil- und Modeindustrie und das Ableiten von Handlungsalternativen sowie eine stärkere Vernetzung in Wissenschaftsnetzwerke.

Bildung
Das Thema Bildung muss stärker in den Fokus gerückt werden. "Nur mit gut ausgebildeten Mitarbeitern und qualifiziertem Nachwuchs werden wir in der Lage sein, die Innovationen zu meistern". Dabei dürfe man nicht nur auf den Staat setzen. Zu den notwendigen Maßnahmen zählt die Erarbeitung eines bildungspolitischen Konzepts durch den Arbeitskreis Bildung ("Bildung 2020").
Ferner wird ein stärkeres Engagement in den Bereichen Aus- und Weiterbildung sowie Arbeitswelten gefordert. Der Gesamtverband spricht sich überdies für grenzüberschreitende Bildung von Clustern auf regionaler Ebene im Hochschulbereich durch Gespräche mit Hochschulen, Kammern, Landesregierungen und den Verbänden aus.

Tarifpolitik
In der Tarifpolitik strebt die Branche in 2009 einen adäquaten und intelligenten Tarifabschluss an. Ein großes zukunftsweisendes Tarifprojekt liegt in der Umstellung der Lohn- und Gehaltssysteme auf ein gemeinsames Entgeltrahmenabkommen. Schließlich werden Themen wie eine am demografischen Wandel orientierte altersgerechte Personalpolitik sowie damit zusammenhängende Arbeitszeitfragen das Augenmerk erfordern. Die stete Modernisierung bestehender Tarifvereinbarungen gehört ebenfalls zu den zentralen Anliegen des Gesamtverbandes.

Umwelt- und Verbraucherschutz
Der Umwelt- und Verbraucherschutz ist eine wichtige Voraussetzung zur Sicherung des hiesigen Pro-duktionsstandortes. Verstärkten Einsatz erfordert auch die praxisnahe Gestaltung europäischer, direkt gültiger Gesetzesinitiativen, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern. Außerdem unterstützt der Gesamtverband die Unternehmen bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben zum Verbraucherschutz.

Energie
Dem Thema Energie kommt immer größere Bedeutung zu. Viele Unternehmen sind durch wachsende Kostenbelastungen extrem belastet. Deshalb wird der Gesamtverband seine Forderung nach mehr Wettbewerb auf dem Energiesektor verstärken. Dabei soll die Politik über den tatsächlichen Energiebedarf einiger Bereiche der Textilindustrie besser informiert werden. Gleichzeitig sollen die Unternehmen über intelligenten Klimaschutz informiert werden.

Lobbying
Insbesondere mit dem Brüsseler Verbindungsbüro soll das politische Lobbying verstärkt werden durch die Intensivierung der parlamentarischen Abende und Treffen mit "big shots" der Politik. Es ist daran gedacht, eine neue "Textilfraktion" aus Abgeordneten der Bundestagsfraktionen aufzubauen. Außerdem soll der "Branchendialog textil+mode" mit dem Bundeswirtschaftsministerium wiederbelebt werden.
Der Verband will seine Öffentlichkeitsarbeit verbessern sowie seine strategischen nationalen wie internationalen Partnerschaften verstärken. Schließlich will der Gesamtverband enger mit seinen Mitgliedsverbänden zusammenarbeiten und dabei die Kernkompetenzen der einzelnen Verbände be-rücksichtigen.

Das vollständige Strategiepapier kann im Mitgliederbereich unter "Downloadpool - Allgemein" heruntergeladen werden.