"Made in Germany" ist in Gefahr

Italiens Vorschläge für eine Pflichtkennzeichnung benachteiligen deutsche Firmen

Das Europäische Parlament hat sich am 21. Oktober für eine verpflichtende ‚Made in’ - Kennzeichnung von Textilprodukten ausgesprochen, die außerhalb der EU hergestellt werden. Als Begründung muss der Verbraucherschutz herhalten: Der Käufer müsse wissen, wo Textilien herkommen. Klingt einfach, ist es aber nicht. "In einer globalisierten Welt gibt es nicht das eine Herstellungsland", erklärt Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil+mode. Wenn die Hauptwertschöpfung in Europa stattfinde, sei dem Verbraucher mit der Angabe des Konfektionslandes kaum gedient, vielmehr werde er in die Irre geführt.

Interessant ist, dass sich keine der bekannten Verbraucherschutzorganisationen für ein solches ‚Made in’ einsetzt. Tatsächlich geht die Initiative von der italienischen Bekleidungsindustrie aus, die erheblich unter dem Druck außereuropäischer Importe steht. "Italien hofft, seine kleinen Nähereien durch die verpflichtende Herkunftsbezeichnung konkurrenzfähiger zu machen", erläutert Baumann.

Mit der verpflichtenden Herkunftsbezeichnung gerät gleichzeitig ‚Made in Germany’ in Gefahr, denn das EU-Parlament will das Herkunftsland nach komplizierten handelspolitischen Regeln bestimmen. "Heute muss ein Produkt seine wesentlichen Eigenschaften in Deutschland erhalten haben, um als ‚Made in Germany’ gelabelt zu werden", erläutert Baumann, "wenn aber für Produkte von außerhalb der EU kaum verständliche nicht-präferentielle Ursprungsregeln gelten sollten, ist der nächste Schritt Brüssels vorprogrammiert: Auch ‚Made in Germany’ müsste sich irgendwann nach diesen Regeln richten."

Der Gesamtverband textil+mode fordert die Beibehaltung der geltenden freiwilligen Kennzeichnung.