"Made in"-Kennzeichnung verhindern

EU-Abgeordnete zeigen sich aufgeschlossen

Vor zahlreichen Abgeordneten des EU-Parlaments haben Unternehmer und Verbände der Textilindustrie am 20. Mai in Straßburg für den Stopp der geplanten Kennzeichnungsverordnung geworben. "Dem Verbraucher nutzt es nichts und der Industrie schadet es", brachte Peter Schwartze, Präsident des Gesamtverbands textil+mode, das Vorhaben auf den Punkt. Eine Kennzeichnungspflicht schaffe nur mehr Bürokratie und höhere Kosten. Die EU-Kommission will die Kennzeichnung nach den so genannten nicht-präferentiellen Ursprungsregeln einführen. Für den Verbraucher ist das aber wenig aussagekräftig, da Textilprodukte trotz komplexer Bearbeitungsvorgänge häufig den Ursprung des Vormaterials behalten.

Dr. Ingo Friedrich, Fraktionsmitglied der Europäischen Volkspartei (EVP), zeigte stellvertretend für die anwesenden zwölf Parlamentarier Verständnis für das Anliegen der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie und versprach seine Unterstützung. Aus Baden-Württemberg schlossen sich die EVP-Abgeordneten Daniel Caspary (Stutensee) und Dr. Andreas Schwab (Freiburg) dieser Haltung an. Ebenfalls aufgeschlossen gaben sich die SPE-Abgeordneten Lissy Gröner und Jo Leinen sowie die GRÜNE Hiltrud Breyer.

Weiteres Thema des Gedankenaustauschs war der unbefriedigende Verlauf der WTO-Runde, die bisher keine Verbesserung des weltweiten Marktzugangs erbracht habe. Deshalb, so die Forderung der Industrie an die Abgeordneten, sollten sie auf eine tragfähige und ausbalancierte Lösung drängen und nicht nach einer Lösung „um jeden Preis“ suchen. Außerdem müsse die WTO dringend reformiert werden, um handlungsfähig zu bleiben.

Südwesttextil-Vizepräsident Hans Digel brachte den Europapolitikern die Situation der Bekleidungsindustrie exemplarisch anhand seines Unternehmens nahe und berichtete über seine wachsende Exporttätigkeit insbesondere in Russland und Osteuropa. Donata Apelt-Ihling, Vorstandsmitglied von Südwesttextil, konnte die Sicht eines Unternehmens der Heimtextilienindustrie schildern und so um größeres Verständnis bei den Parlamentariern für die Anliegen der deutschen Textilindustrie werben.