Made in-Label umstritten

Abgeordnete und Mitgliedstaaten sind uneins über Herkunftskennzeichnung

Das EU-Parlament hat sich im Rahmen der geplanten Textilkennzeichnungsverordnung für eine verpflichtende „Made in“-Kennzeichnung für Waren aus Drittländern – mit Ausnahme der Türkei – ausgesprochen. Die Textilkennzeichnung ist derzeit noch über eine Richtlinie geregelt, die sich ausschließlich auf die Faserzusammensetzung von Textilprodukten bezieht. Die EU-Mitgliedstaaten und die EU-Kommission möchten, dass dies auch so bleibt.

Für EU-Waren schlagen die Abgeordneten die freiwillige Kennzeichnung vor. Der Clou: Bei der Bestimmung des Herkunftslandes soll mit zweierlei Maß gemessen werden.

Für Drittländer sollen die Zollregeln gelten, die zumeist auf das Land der letzten wesentlichen Verarbeitung abheben. Bei EU-Produkten möchten die Parlamentarier anders verfahren: Maßgebend für „Made in Italy“ oder „Made in Germany“ soll sein, dass mindestens zwei von vier wesentlichen Verarbeitungsschritten in einem EU-Mitgliedstaat durchgeführt werden. In wichtigen Exportländern wäre diese Art der Herkunftskennzeichnung schlichtweg falsch.

Und dem Verbraucherschutz ist damit kaum gedient: Ein italienischer Stoff, in Marokko konfektioniert, hätte beim Endprodukt ein „Made in Italy“-Label zur Folge. Würde hingegen ein Stoff aus der Schweiz eingesetzt, wäre die Ware „Made in Morocco“. Produkte aus chinesischer Rohseide, in Deutschland veredelt und in Rumänien konfektioniert, blieben nach der Logik des Parlaments „Made in China“. Klare Information sieht anders aus, ganz zu schweigen vom bürokratischen Aufwand und Unsicherheiten bei den Unternehmen.

Die Abgeordneten haben noch weitere Sachgebiete vorgeschlagen, die sie der Kennzeichnungspflicht unterwerfen möchten. Dazu gehören z. B. Informationen zu den sozialen und ökologischen Bedingungen der Produktion, zu potenziell allergenen Substanzen oder Bioziden. Die neue Verordnung muss gemeinsam vom EU-Ministerrat und dem Europaparlament beschlossen werden.