manaomea – ein modernes textiles Märchen

Ein Material so nachhaltig und stabil wie Holz, so formbar und vielseitig einsetzbar wie Plastik und doch: Textil.

Ein textiles Möbelstück schreibt Geschichte und bringt selbst in Kopenhagen die Kunden zum Staunen.
Foto: Ein textiles Möbelstück schreibt Geschichte und bringt selbst in Kopenhagen die Kunden zum Staunen.
© manaomea

Das textile Märchen von manaomea beginnt da, wo nach den rauschenden Festen in den Märchen unserer Kindheit das schönste Ballkleid nicht mehr gebraucht wird und in einer Truhe auf dem Speicher in der Versenkung verschwindet. Denn Dr. Christine Arlt und Dr. Ulrich Riedel erwecken mit ihrem neu entwickelten Material, das den textilen Kreislauf zwar nicht schließt, dafür aber umso vielfältigere Anwendungsbereiche für textile Reste erschließt, dieses Kleinod, wenn auch in anderer Form, wieder zum Leben. Der textile Stift ist geboren!

Die Geschichte des 2015 gegründeten Start-ups beginnt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig, wo die beiden selbsternannten Materialfreaks nicht nur zueinander, sondern auch zu ihrer Produktidee fanden. Basierend auf der Forschung im Bereich der Naturfasern und Biopolymere kommt Riedel hier die Idee, eine Bleistiftmine in eine selbstentwickelte Struktur zu integrieren. Das Patent meldet er schon 2002 an und wie es mit so manch guter Idee ist, liegt sie zunächst einmal in der Schublade.

manaomea stifte auf wolle
Foto: © manaomea

Gemeinsam treibt die beiden dann nicht nur Erfindergeist und Materialaffinität dazu, das Produkt wieder aus der Schublade zu holen, sondern vor allem der Wille Geschichten zu erzählen und eine Veränderung hin zur Nachhaltigkeit zu bewirken. So kommt es, dass die ersten Bleistiftmodelle „Die Königin“ und „Der Kleine Rebell“ Fasern aus den Ländern beziehen, in denen auch weltweite Entwicklungshilfeprojekte ansetzen. Die beiden starten ihre erste Crowdfunding- Kampagne, begeistern ihre Kunden aber vor allem mit der Idee „die Klamotte in den Stift zu bringen“. So kommt es dazu, dass die beiden nicht nur ein soziales Produkt schaffen, sondern ein Produkt, das möglichst wenig Müll produziert und auf bereits verloren geglaubten Ressourcen aufbaut.

Die manaomea-Gründer glauben dabei bewusst daran, aus dem textilen Kreislauf auszubrechen – ein „Open-Closed- Loop“. Sie entwickeln ein helles Bioharz, dass die darin enthaltenen Textilien transparent macht und erhöhen die Bestandteile nachwachsender Rohstoffe auf 95 Prozent. Aus dem Bleistift wird ein Kugelschreiber, der durch die austauschbare Miene unendlich haltbar ist. Sie erobern damit neue Märkte mit neuen Herausforderungen, ermöglichen es Unternehmen, aus den eigenen textilen Resten Merchandise Produkte zu machen, kreieren aber auch eigene Designlinien mit Kooperationspartnern aus der Industrie. Und die Stifte können Geschichten erzählen, denn im Laufe der Zeit sind schon die unterschiedlichsten Produkte und Materialien verarbeitet worden – von Zeltplanen, Handtuchrollen oder Skianzügen bis hin zu Webkanten und textilen Produktionsresten. Mit der entwickelten Technologie kann sich manaomea in so gut wie jeden Prozessschritt integrieren und wagt auch neue Wege.

Langsam schließe sich der Kreis, berichtet Ulrich Riedel stolz, und das Material käme zur Geltung. Denn rein theoretisch sind die in Bioharz gehärteten Textilien in jeglicher Anwendung denkbar. So entwickelten die beiden zu Beginn des Jahres ein neues Produkt, das für viel Aufmerksamkeit sorgt: „Charles“. Ein eigenwilliger, aber charakterstarker Schaukelstuhl. So beschreiben die beiden kreativen Unternehmer das erste Möbelstück von manaomea.

Die Idee, das Material auch in diese Anwendung zu bringen, gibt es schon lange, doch um es tatsächlich in so einer Dicke produzieren zu können, brauchte es noch weitere Entwicklungsschritte. Charles polarisiert als Showcase für das Material, z. B. bei den „3daysofdesign“ in Kopenhagen oder auf der „Neonyt“ im Rahmen der Berliner Fashion Week zu Beginn des Jahres. Spannend und gleichzeitig beängstigend für viele Betrachter ist der Einsatz der Materialien. Denn hier findet ein Paradigmenwechsel statt: Das sonst weiche Textil wird hier zum starren Material in den Stäben und der sonst gewohnt starre Stahl bringt den Schwung und die Rundung in das Objekt – inspiriert durch das manaomea-Logo, dessen geschwungene Form sich hier als Designprinzip wiederfindet.

Doch genau dieser Paradigmenwechsel spiegelt den Geist der beiden Unternehmer wider – nicht in schwarz-weiß zu denken, sondern die Leichtigkeit in ihre Werke einzubringen. Statt Produktprogramme aufzubauen, liegt ihnen vielmehr daran, ihre Ideen mit möglichst vielen Menschen zu besprechen, Alternativen zu bisherigen Prinzipien einzubringen, mit Design zu erfreuen und langfristig auch global eine Veränderung zu bewirken. Was sie aber persönlich in ihrer Geschäftsentwicklung unterstützt, ist die persönliche Entwicklung aus der Wissenschaft heraus und mit viel Intuition in neue Märkte zu gehen. Zukünftig denken die beiden auch an Partnerschaften mit führenden Textilmarken aus dem Sport- und Modebereich. Deren Textilabfälle am globalen Produktionsort zu neuem Leben zu verhelfen und diese dann in eine funktionale Form zu bringen, die Markenpartner gezielt in deren Wertschöpfungskette unterstützt, wie z.B. Kleiderbügel oder Möbel für deren Stores, ist Teil einer weitergehenden, nachhaltigen Wachstumsstrategie für manaomea.