Markenschutz für Textilien

Verwendung unsichtbarer Markierungen

Schäden durch Produktpiraterie sind längst ein weltweites und volkswirtschaftliches Problem. Allein in Deutschland haben die wirtschaftlichen Einbußen durch gefälschte Produkte laut VDMA-Studie von 2012 einen Wert von 7,9 Mrd. Euro. Die jüngste Zollstatistik der EU-Kommission weist für die Sparten 'Bekleidung/Accessoires' und 'Sonstige Textilien' zusammen einen Schaden von mehr als 170 Mio. Euro für Markenfälschungen aus. Bei den Herkunftsländern textiler Fälschungen führt China mit 80 Prozent der Waren, gefolgt von der Türkei mit 6 Prozent.

Dass der textile Bereich so stark betroffen ist, liegt auch daran, dass es bisher keine brauchbaren Verfahren gibt, die den Markenschutz technisch gewährleisten. Die Notwendigkeit solcher Schutzmechanismen erschließt sich nicht nur aus den genannten wirtschaftlichen Nachteilen, sondern auch aus Sicherheitsaspekten: Sicherheitsrelevante Produkte, oft aus technischen Textilien hergestellt, können bei Verwendung minderwertiger gefälschter Ware ein hohes Risiko für den Verbraucher darstellen. Und nicht zuletzt kann solch minderwertige Ware zu einem, wenn auch unberechtigten, Imageverlust des Herstellers führen. Vor diesem Hintergrund besteht unter den etablierten Firmen des Textilbereiches großes Interesse an der Entwicklung eines Verfahrens zur Markierung von textilen Materialien hinsichtlich eines sicheren Markenschutzes.

Hier schließt ein aktuelles Forschungsvorhaben des Instituts für Textilchemie und Chemiefasern (ITCF) in Denkendorf und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart an. Gemeinschaftlich werden transparente Markierungstinten entwickelt, die mittels des Inkjet-Verfahrens zur großflächigen Sicherheitsmarkierung auf textilen Substraten verwendet werden. Der für das bloße Auge nicht sichtbare Sicherheitscode kann mittels Infrarotlicht unter Verwendung eines abgestimmten Infrarotsensors detektiert und in eine sichtbare Sicherheitscodierung umgewandelt werden. Die neuen Sicherheitstinten können mit dekorativen Inkjet-Textilfarben kombiniert und auf verschiedenen Inkjet-Druckern führender Hersteller verwendet werden. So lassen sich Design und Sicherheit sowohl für Bekleidungstextilien als auch Technische Textilien in einem Druckvorgang in bester Qualität herstellen.

Nutzen ist aber auch in anderen Bereichen wie der Automobilindustrie zu sehen, zum Beispiel bei der unsichtbaren Markierung von sicherheits- und/oder qualitätsrelevanten Zulieferteilen wie Sicherheitsgurten oder Kunststoffanbauteilen. In der Praxis wird letztlich die einfache Handhabung des Messverfahrens in der routinemäßigen Anwendung von Bedeutung sein. Wenn das neue Verfahren z.B. den Zollstellen ermöglicht, verdächtiges Material zuverlässig mit einem einfachen Infrarotsensor auf seine Echtheit überprüfen zu können, dann wird sich diesem Verfahren ein breiter Markt erschließen.

Foto: ITCF Denkendorf