Mehr Komfort durch Geräuschdämpfung

Neue Prüfmethoden zur Untersuchung akustischer und aero-akustischer Eigenschaften textiler Materialien

Inwieweit ein textiles Material schalldämpfend wirkt und welche Geräusche andererseits durchströmender Wind verursacht, lässt sich seit kurzem mit Hilfe akustischer Prüfstände an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim untersuchen.

Die Wissenschaftler um das Team von Dr. Jan Beringer haben in Zusammenarbeit mit der Hochschule Reutlingen und der Südwesttextilmitgliedsfirma Rökona Textilwerk GmbH in Tübingen, Hersteller von technischen Textilen für die Automobilbranche, innovative Prüfmethoden zur Untersuchung akustischer und aeroakustischer Eigenschaften textiler Materialien entwickelt.

Lärm gehört heute in vielen Lebensbereichen zum Alltag und stellt zunehmend eine Belastung dar: Neben negativen Auswirkungen auf das Nervensystem setzt er laut Studien die Konzentrationsfähigkeit um rund 20 bis 30 Prozent herab, senkt die Arbeitsleistung, erhöht das Unfallrisiko und vermindert vor allem auch das Komfortempfinden. Bereits Geräusche ab 40 Dezibel, die ungefähr leiser Radiomusik entsprechen, können diese negativen Auswirkungen mit sich bringen.

Deshalb erfreuen sich in vielen Bereichen, bei denen Geräusche als unangenehm und störend empfunden werden, schalldämmende textile Materialien zunehmender Beliebtheit - vor allem in der Innenarchitektur und der Automobilindustrie.

So sind schalldämmende Decken, Trennwände, Fußböden und Möbeloberflächen in öffentlichen Einrichtungen, Großraumbüros und Messehallen sowie technische Textilien in der Innenraumverkleidung von Fahrzeugen effektive Maßnahmen, akustischen Störungen entgegenzuwirken.

Bei der akustischen Prüfung der Hohenstein Institute werden unterschiedliche textile Materialien mit dem Akustikmessgerät untersucht. Der zu überprüfende Stoff wird in einem Probenhalter zwischen Lautsprecher und Mess-Mikrofon eingespannt. Ein großer Vorteil ist hierbei die kleine Mustergröße: Stoffproben mit den Abmessungen 10 x 10 cm sind bereits ausreichend. Im Frequenzspektrum von 200 - 20 000 Hz wird gemessen, in welchem Umfang (Dezibel) der Stoff das vom Lautsprecher ausgesendete Signal abschwächt bzw. dämpft. Bei der aero-akustischen Prüfung werden die Frequenzspektren der oftmals störenden Nebengeräusche luftdurchströmter Textilien ermittelt. Es können Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h simuliert werden.

Neben der Erfassung aero-akustischer Eigenschaften textiler Stoffe lassen sich ortsaufgelöst die Ursachen der Entstehung von Strömungsgeräuschen ermitteln. Mit diesem Wissen können die eingesetzten Textilien und Bauteile zusätzlich optimiert werden.

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