Mitarbeiter im Fokus

Demografie-Management am Beispiel Rösch und Hartmann

Auf der Zukunftskonferenz Textil Anfang Juli in Stuttgart wurde viel über die Herausforderungen der Unternehmen aufgrund der demografischen Entwicklung gesprochen. An zwei Beispielen zeigt sich, was die Textil- und Bekleidungsindustrie bereits unternimmt, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Zu Zeiten des Firmengründers Gerhard Rösch arbeiteten viele Hunderte Näherinnen im Unternehmen. Um seine gut ausgebildeten Fachkräfte nicht nach wenigen Jahren wieder zu verlieren, gab es für Rösch nur einen richtigen Weg: Die Frauen sollten nach der Niederkunft zurück ins Unternehmen kommen. Was also lag näher, als einen eigenen Betriebskindergarten zu eröffnen? Heute ist die mutige Idee und das, was daraus geworden ist, ein Argument für Bewerber, sich für Rösch als Arbeitgeber zu entscheiden.

Der Kindergarten kann bis zu 20 Zwei- bis Sechsjährige aufnehmen, um die sich eine Vollzeit- und eine Teilzeiterzieherin kümmern. Im Sommer werden ein Anbau mit einem separaten Bereich für Einjährige eröffnet und eine weitere Erzieherin eingestellt. Zusätzlich gibt es ein Angebot für die Eltern von schulpflichtigen Kindern: eine je einwöchige Ferienbetreuung in den Pfingst- und Sommerferien.

Als schwäbisches Traditionsunternehmen mit Weitblick setzt die Gerhard Rösch GmbH nun schon seit mehr als 60 Jahren auf eine familienfreundliche Personalpolitik. Bereits 1996 wurde das Unternehmen am Neckar als "familienfreundlichster Betrieb" vom Bundesfamilienministerium ausgezeichnet: gleich mehrere Male von der baden-württembergischen Landesregierung und 2010 von der Bundesagentur für Arbeit. Entsprechend umfangreich und umfassend hat sich in den Jahren das Angebot, das das Unternehmen den 365 Tübinger Mitarbeitern anbieten kann, entwickelt. Die individuellen Arbeitszeitlösungen mit ca. 130 verschiedenen Modellen bieten gerade für einen Betrieb mit saisonal bedingten Hochphasen der Produktivität große Chancen.

Familienfreundlichkeit hat nicht nur mit Gutmenschentum zu tun, sondern vor allem mit unternehmerischem Denken – damals wie heute. Studien belegen: Familienfreundliche Unternehmen profitieren von kürzeren Wiedereingliederungszeiten, höherer Motivation und geringeren Fehlzeiten. "Der Return-on-Investment liegt bei rund 20 Prozent", sagt Evita Rösch, die Frau des jetzigen Firmeninhabers und zuständig für die Unternehmenskommunikation und das Design.

Zur Familienfreundlichkeit des Unternehmens gehört für Rösch auch die Weiterbildung der Mitarbeiter, so wurden in den letzten Jahren hauptsächlich an- und ungelernten Mitarbeitern, die schon seit vielen Jahren im Unternehmen tätig waren, die Weiterbildung zum Maschinen- und Anlagenführer Textil ermöglicht. Dies wurde im Rahmen vom WeGebau-Programm der Agentur für Arbeit durchgeführt.

"Die Investition in die Mitarbeiter unseres Unternehmens ist unser größtes Kapital und entscheidend für den Unternehmenserfolg", umreißt Arnd-Gerrit Rösch die Personalpolitik seines Unternehmens.

Das Thema Demografie und mögliche Auswirkungen stehen bei der Paul Hartmann AG bereits seit einigen Jahren auf der Agenda. Schon 2007 wurde die Frage beleuchtet, wie alternsgerechtes Arbeiten in Zukunft gestaltet werden kann. Mittels einer Altersstrukturanalyse wurden die demografischen Entwicklungen für das Unternehmen in seinen einzelnen Bereichen bis zum Jahre 2050 prognostiziert. Anschließend wurden verschiedene Maßnahmen hinsichtlich der Gestaltung von Schichtsystemen, Gestaltung von Arbeitsplätzen oder auch gesunder Ernährung gestartet.

Eines der Pilotprojekte wurde im Logistikzentrum Brück durchgeführt. Dabei untersuchte man einzelne Arbeitsplätze hinsichtlich besserer ergonomischer Gestaltung oder der Verbesserung von Arbeitsschritten. Mit externen Experten wurden entsprechende Arbeitsplatzanalysen erstellt und konkrete Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet. In Workshops wurden diese detailliert besprochen und daraus konkrete Umsetzungspläne vereinbart.

Der Fragestellung, wie gesunde Ernährung am Arbeitsplatz die Mitarbeiter fit halten kann, widmet sich ein weiteres Projekt. Themenwochen, in denen Tipps für gesunde Ernährung gegeben werden und ein "gesundes" Ampelsystem für die in der Kantine angebotenen Mittags-Menüs sind nur einige Beispiele dafür, wie konsequent Hartmann auch dieses Thema angeht. Ein echter Meilenstein war Anfang Juni die Bio-Zertifizierung der Kantine am Stammsitz in Heidenheim.

Sukzessive werden Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie umgesetzt. Hierbei sind kreative Ideen gefragt: Realisiert wurden bis jetzt die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsorten sowie die Einrichtung eines Eltern-Kind-Arbeitszimmers. Hier können in Notsituationen, in denen die Betreuungsperson, zum Beispiel die Tagesmutter oder die Oma, kurzfristig ausfällt, die Kinder an den Arbeitsplatz ihrer Eltern mitkommen.