Mittelstand meidet die Cloud

EU-Digitalkommissar Oettinger für europäischen Datenschutz

EU-Digitalkommissar Oettinger: Die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Land ist stark vom digitalen Wandel abhängig.
Foto: EU-Digitalkommissar Oettinger: Die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Land ist stark vom digitalen Wandel abhängig.
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Um der verbreiteten Sorge der Unternehmen vor dem Missbrauch von Daten wirkungsvoll zu begegnen, bedarf es einer europäischen Datenschutzpolitik. Das forderte Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft auf einer Veranstaltung der Arbeitgeber Baden-Württemberg am 18. März in Stuttgart. Es mache keinen Sinn, dass jedes Bundesland und jeder Mitgliedstaat der EU eigene Datensicherheitskonzepte einführe. „Wer die Daten hat, hat die Macht“, so Oettinger. Deshalb sei Datenschutz der erste Punkt auf der europäischen Tagesordnung. Der EU-Kommissar verdeutlichte, dass die digitale Transformation bereits heute einen rasanten Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft bewirkt habe: allein Google würde täglich sechs Milliarden Anfragen weltweit bearbeiten. Und allein fünf kalifornische Web- Firmen hätten heute einen doppelt so hohen Marktwert wie die 30 Dax-Unternehmen in Deutschland zusammen.

Mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg hingegen mieden die Cloud, weil sie ihr misstrauten. „Unser Mittelstand ist nicht wirklich überzeugt, deshalb geht er viel zu defensiv mit der Digitalisierung um“, kritisierte Günther H. Oettinger. Für alles engagiere man Berater, nicht aber für die Digitalisierung. Es sei an der Zeit, dass man in den Unternehmen das Ressort eines „Chief Digital Officer“ schaffe, um die Bedeutung der Digitalisierung zu unterstreichen und den Anschluss nicht zu verpassen. Zudem müssten die Mitarbeiter mit „digitaler Grundkompetenz“ ausgestattet werden.

Die künftige Wettbewerbsfähigkeit der baden-württembergischen Wirtschaft hängt nicht zuletzt am Umgang mit dem digitalen Wandel. Das unterstrich auch Marion Johannsen, Geschäftsführerin der Landesvereinigung der Arbeitgeber und Initiatorin der Veranstaltung. „Die Digitalisierung der Arbeitswelt eröffnet Chancen und gibt Raum für neue Geschäftsideen. Sie hat aber auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Geschäftsprozesse und Unternehmensstrukturen“. Die Unternehmen würden alles daran setzen, im Rennen um die Produktion von Morgen eine führende Rolle einzunehmen: „Sie sind weltweit bekannt für innovative Produktentwicklungen und beispielhafte Flexibilität. Und das wollen sie auch bleiben.“

Peter Hofelich, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, betonte, dass die Landesregierung den Breitbandausbau auch in diesem Jahr im Fokus habe. Er dementierte die öffentliche Kritik, Bayern sei mit 1,5 Milliarden Euro Investitionsvolumen ein beneidenswerter Nachbar: Zwar investiere Baden-Württemberg weniger in digitale Netze, jedoch habe Bayern eine deutlich niedrigere Ausgangslage und müsse deshalb viel aufholen.