Moderne Wirtschaftspiraterie

Gesamtverband textil+mode und Bundesministerium der Justiz kooperieren im Kampf gegen Marken- und Produktpiraterie

Wettbewerb kann nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen – und zwar in Deutschland, in Europa und überall sonst auf der Welt. Beim Schutz geistigen Eigentums betrachtet der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V. (textil+mode) die Situation mit Sorge. Gemeinsam mit Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz thematisiert der Gesamtverband am 05.09.2007 in einem Pressegespräch die Beziehungen zwischen Industrie, Handel und Verbraucher in Hinblick auf diese Form der Wirtschaftskriminalität.

"Die Textilindustrie gehört zu den Branchen, die am stärksten mit Produkt- und Markenpiraterie zu kämpfen haben", betont Ministerin Zypries. Es sei daher sinnvoll, "dass nationale und ausländische Wirtschaftsverbände miteinander kooperieren", so wie es der Gesamtverband textil+mode praktiziert.

Bei der Piraterie von Marken und Innovationen steht China an erster Stelle. Die EU-Zollstatistik für das Jahr 2006 ist deutlich: 85 % aller beschlagnahmten Artikel aus dem Bereich Bekleidung und Accessoires stammen aus diesem Land. Das entspricht mehr als 25 Millionen Artikeln.

Rechtsverletzungen passieren aber nicht nur in China, in der Türkei oder in Indien – Ursachen werden auch bei uns gesetzt. "Gäbe es keine Nachfrage, bestände auch kein Angebot", sagt Peter Schwartze, Präsident des Gesamtverbandes textil+mode. "Die Auftraggeber sitzen vielfach in Europa. Aber selbst renommierte Händler übernehmen Designs mittelständischer Textilunternehmen." "Ich möchte den Handel ausdrücklich aufrufen, sich zukünftig fairer zu verhalten", sagt Peter Schwartze. "Und die Firmen unserer Branche sollten mit dem Problem offensiver umgehen." Es sei wünschenswert, betont Schwartze, dass das Bundesministerium der Justiz die Stakeholder zusammenbringe. Am runden Tisch könne man Strategien für eine verbesserte Verbraucheraufklärung diskutieren, um das Bewusstsein der Verbraucher zu verbessern.

Nachfrage der Händler setzt Nachfrage der Verbraucher voraus. Sicherlich gibt es immer wieder Fälle, in denen Markenfälschungen dem gutgläubigen Kunden untergeschoben werden. Sehr häufig greifen Konsumenten aber auch ganz bewusst zu gefälschter Ware. Verbraucheraufklärung tut Not: Wer Fälschungen kauft, unterstützt die organisierte Kriminalität.

Peter Schwartze verwies in dem Zusammenhang auf den sogenannten Polenmarkt auf der Insel Usedom – polnischer Teil. Dort werden gefälschte Markenprodukte aller Art an Dutzenden von Ständen verkauft. Die polnische Polizei schaut dem Treiben der Händler seelenruhig zu und greift nicht ein. "Polen ist doch ein Mitgliedsstaat der EU", sagt Schwartze. "Die polnische Regierung ist dringend zum Handeln aufgefordert." Auch Europa und die einzelnen Mitgliedsstaaten müssen Polen und Tschechien, wo ähnliche Probleme bestehen, unmissverständlich klar machen, dass sie solche Märkte nicht akzeptieren. Dies gilt auch für die vielen Wochenmärkte in Italien.

Quelle:
Gesamtverband Textil+Mode, Eschborn