Nachhaltig nachgefragt

Das Bündnis von Bundesentwicklungsminister Müller wird kontrovers diskutiert

Info-Tag CSR
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Das Thema Corporate Social Responsibilty (CSR) ist in der Textil- und Bekleidungsindustrie ein hoch aktuelles Thema, das Unternehmen der gesamten textilen Kette beschäftigt. Kontrovers diskutiert wird derzeit insbesondere das „Bündnis für nachhaltige Textilien“, das Bundesentwicklungsminister Müller am 16. Oktober 2014 ins Leben gerufen hat. Unterstützt von Experten seines Hauses stellte der Minister am 10. Februar sein Bündnis mehr als 150 Branchenvertretern persönlich vor, die zum „Infotag CSR und Nachhaltigkeit“ nach Erding gekommen waren. Eingeladen hatten der Dialog Textil-Bekleidung und der vtb-Bayern. Während die Ziele des Bündnisses – Wahrung der Menschenrechte in den Herstellungsländern und Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards – unstreitig sind, warnten Vertreter aus dem Publikum in der Fragerunde vor unpraktikablen Anforderungen und nicht kalkulierbaren Kosten des Bündnisses.

"Wer sich nicht auf den Weg macht, kommt auch nicht an“

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Die lückenlose Rückverfolgung sich rasch verändernder Lieferketten überfordere die meisten Unternehmen und käme den Mittelstand besonders teuer, ganz zu schweigen von dessen Verhandlungsmacht. Einige hochgesteckte Umweltziele ließen sich nach heutigem Stand der Wissenschaft auch nach Jahren nicht erfüllen. Dem hielt der Minister entgegen, beim Textilbündnis handle es sich um einen „Prozess, der gemeinsam weiterentwickelt werden soll. Wer sich nicht auf den Weg macht, kommt auch nicht an“. Ohne konkretes Ziel könne man den Weg weder planen noch kalkulieren, mahnten ihrerseits die Textil- und Bekleidungsverbände. Denn offenbar vermissen selbst Teilnehmer des Bündnisses wie Hess Natur klar definierte Meilensteine. „90 Prozent hier im Saal erfüllen die Standards“, beschwichtigte der Minister und beteuerte, das Bündnis für und nicht gegen die Wirtschaft vorantreiben zu wollen: „Ich möchte, dass Sie mehr verkaufen“. Und in ein paar Jahren, prophezeit Müller, werde ohnehin jedes Produkt ein Label für die Rückverfolgbarkeit tragen. Innerhalb des Bündnisses könne man offen, quasi in einem „Schutzraum“, miteinander diskutieren.

Nach der inhaltlichen Diskussion beleuchteten die Rechtsanwälte Dr. Nora Schroeder und Dr. Christian Schröder von der Kanzlei Görg die juristischen Aspekte des Bündnisses wie z. B. Haftungsrisiken in Lieferverträgen. Zu allererst, so ihr Rat, müsse sich das Textilbündnis eine Rechtsform geben. Auch die künftige Finanzierung des Bündnisses sei noch offen. Hierzu müsste das BMZ informieren, wenn es seriös für das Bündnis werben wolle. Abgerundet wurde der Infotag durch Praxisbeispiele und die Präsentation von Tools zum CSR-Management. Rolf Heimann von der hessnatur Stiftung präsentierte ein Schulungskonzept „Nachhaltigkeit“, Marko Kiisa, CEO von Aus Design, berichtete von den „Upcycling“-Aktivitäten seines Unternehmens, die zuletzt auf der Ethical Fashion Show ausgezeichnet wurden.