Zähes Ringen

Neue Ausbildungsberufe für die Bekleidungsindustrie kommen im Sommer

Neue Ausbildungsberufe in der Bekleidungsindustrie
Foto: Neue Ausbildungsberufe in der Bekleidungsindustrie

Das Neuordnungsverfahren zur Modernisierung der Berufsbilder der industriellen Bekleidungsberufe ist abgeschlossen. Die neuen Ausbildungsberufe treten somit zum 1. August 2015 in Kraft.

Neuer Name und keine Stufenausbildung mehr

Im Ergebnis sind zwei innovative Berufe für die Bekleidungsindustrie entstanden: der Textil- und Modenäher – früher Modenäher – und der Textil- und Modeschneider – ehemals Modeschneider. Eine Stufenausbildung wird es in Zukunft nicht mehr geben. Mit der Umsetzung der novellierten Ausbildungsordnung werden ein zweijähriger und ein dreijähriger Ausbildungsberuf eingeführt. Die Abschlussprüfung des zweijährigen Textil- und Modenähers ist die Zwischenprüfung des dreijährigen Textil- und Modeschneiders, so dass sich de facto für die Betriebe keine allzu großen Veränderungen ergeben werden.

Insbesondere die Neuordnung des zweijährigen Ausbildungsberufs führte beinahe zum Scheitern der Verhandlungen. Die Sozialpartner konnten sich jedoch unter Leitung des Bundeswirtschaftsministeriums auf einen Kompromiss einigen. Demzufolge ist der zweijährige Textil- und Modenäher nun für fünf Jahre befristet, danach soll eine Evaluierung des Berufsbildes erfolgen.

Dabei soll untersucht werden, wie viele der Ausgebildeten nach Abschluss der betrieblichen Ausbildung zum Textil- und Modenäher die dreijährige Ausbildung fortsetzen oder innerhalb von sechs Monaten nach dem Abschluss einen Arbeitsplatz als Textil- und Modenäher oder in einem verwandten oder sonstigen Beruf finden. Außerdem sollen alternative Anschlüsse berücksichtigt werden. Die Betrachtung der vollzeitschulischen Ausbildung soll separat erfolgen. Die abschließende Entscheidung, ob die Verordnung über die Berufsausbildung zum Textil- und Modenäher entfristet wird, trifft das Bundeswirtschaftsministerium in Abstimmung mit den Sozialpartnern.

Welche wesentlichen Neuerungen haben sich für die Ausbildungsberufe ergeben? Die nähtechnischen Kompetenzen werden nun vornehmlich in den ersten zwei Ausbildungsjahren vermittelt. Das neue Berufsbild des Textil- und Modenähers legt den Schwerpunkt im ersten Jahr auf die Bereiche Zuschneiden und Vorrichten von Werk- und Hilfsstoffen mit insgesamt zehn Wochen und den Nähtechniken mit insgesamt zwölf Wochen. Im zweiten Jahr kommt das Anwenden von Schweiß- oder Klebetechniken mit fünf Wochen hinzu. Ein weiterer Schwerpunkt im zweiten Jahr definiert das Fertigen von Bekleidungsartikeln oder sonstigen textilen Artikeln mit insgesamt zwölf Wochen. Sechs Wochen sind für das Abwandeln von Grundschnitten und das Erstellen von Schnittlagebildern im zweiten Jahr vorgesehen.

Einführung von Schwerpunkten

Die wesentlichen Änderungen im Berufsbild des Textil- und Modeschneiders sind die Einführung von Schwerpunkten. Diese sind je nach betrieblichem Hintergrund zu wählen. Es handelt sich dabei um die drei Bereiche Prototypen- und Serienfertigung, Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung und Schnitttechnik. Sie wurden vor dem Hintergrund ins Leben gerufen, dass die traditionellen Einsatzmöglichkeiten der Fachkräfte in der Bekleidungsfertigung und den Musterabteilungen weiter zurückgehen. Außerdem ist eine stärkere Heterogenität der Ausbildungsbetriebe festzustellen.

Im Schwerpunkt „Prototypen und Serienfertigung“ werden von den Modeschneidern die Prototypen nach Modellvorgaben gefertigt. Dabei werden die Verarbeitungstechniken sowie der Einsatz und die Abfolge von Maschinen und Anlagen festgelegt. Es erfolgt eine Modellprüfung und bei Bedarf eine Optimierung bevor die Prototypen in die Einzel- und Serienfertigung gehen, um einen effizienten Durchlauf zu erzielen.

Im Schwerpunkt „Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung“ werden auf der Grundlage der Prototypen die Modellbeschreibungen und Fertigungsunterlagen für die Produktion einschließlich der Ermittlung der Fertigungszeiten- und kosten anhand von vorgegebenen Datenbausteinen erstellt. Zusätzlich sind gängige Material- und Warenprüfungen durchzuführen, um exakte Textil- und Pflegekennzeichnungen vornehmen und Zertifizierungsvorgaben erreichen zu können.

Im Bereich „Schnitttechnik“ werden von den Modeschneidern Schnittbilder und Modellschnitte erstellt und je nach Konfektionsgröße die notwendigen Modelländerungen für die Vervielfältigung herausgearbeitet. Dies geschieht mit anwenderbezogenen CAD-Programmen. Für die Produktion werden die Lege- und Zuschnitt- Anweisungen erstellt, die schnitt- und modellrelevanten Daten aufbereitet.