Neue Kultur der Kurzarbeit

Arbeitsagenturen bemühen sich um großzügige Unterstützung

In der Krise sollten die Betriebe Kurzarbeit zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter nutzen. Dazu haben Ministerpräsident Günther Oettinger und Eva Strobel, Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, am 24. März in Ditzingen aufgerufen.

Auf einer gemeinsamen Impulsveranstaltung des Staatsministeriums und der Regionaldirektion beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf sagte Oettinger: "Nach der Krise werden die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und der Fachkräftemangel bleiben." Mit Qualifizierungskursen könnten die Unternehmen die Konjunkturkrise daher auch nutzen, um sich darauf vorzubereiten.

Als "Ausdruck eines Kulturwandels" begreift Eva Strobel den Umstand, dass viele Betriebe heute auf Qualifikation statt auf Kündigungen setzen. Die Agentur unterstütze Betriebe nicht nur
mit Kurzarbeitergeld und der Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen. Sie finanziere auch Weiterbildungsmaßnahmen: für qualifizierte Arbeitnehmer mit 20 bis 80 Prozent und für gering- oder unqualifizierte Beschäftigte über Bildungsgutscheine mit 100 Prozent. Kurzarbeit sei keineswegs nur für Konzerne interessant, so Strobel, sondern gerade auch für kleinere und mittlere Unternehmen.

Am Rande der Veranstaltung versicherte die Vorsitzende der Regionaldirektion gegenüber Südwesttextil, dass die Agenturen bemüht seien, die Bewilligung von Förderanträgen der Betriebe unbürokratisch und nicht kleinlich zu handhaben.

Unterdessen zeigt sich, dass die Gestaltungsmöglichkeiten von Qualifizierungsmaßnahmen noch keineswegs ausgeschöpft sind. So will die Firma Trumpf Weiterbildungen bei eigenen Kunden anbieten, die sich in Kurzarbeit befinden. Außerdem plant sie ein Einstiegsprogramm für Hochschulabsolventen, mit dem Projektarbeit und geförderte Qualifizierung kombiniert werden können.