Textilkennzeichnung neu geregelt

Im Sommer wird die EU eine neue Verordnung zur Textilkennzeichnung veröffentlichen.

Das Europaparlament hat den Vorschlag am 11. Mai verabschiedet. Nach fast zwei Jahren zähen Ringens haben sich die EU-Mitgliedstaaten, EU-Kommission und die Abgeordneten auf einen Kompromiss geeinigt. Bisher ist die Textilkennzeichnung durch eine Richtlinie geregelt, die in den einzelnen EU-Ländern in nationales Recht umgesetzt wird. Die Verordnung wird demgegenüber unmittelbar in den Mitgliedstaaten gelten. Dadurch können Innovationen im Faserbereich schneller bei der Kennzeichnung berücksichtigt werden.

Dem Kompromiss vorausgegangen war eine heftige Debatte um die Aufnahme sachfremder Themen in die Vorschriften zur Textilkennzeichnung, die sich traditionell ausschließlich auf Angaben zum Rohstoffgehalt beziehen. Einige Europaabgeordnete hatten sich für die Verankerung einer verpflichtenden Ursprungsangabe in der neuen Verordnung stark gemacht. Darüber hinaus gab es Vorstöße zur Pflege- und Größenkennzeichnung sowie die Forderung, Textilprodukte mit Hinweisen zu allergenen Substanzen zu versehen. Nichts davon wurde durchgesetzt. Allerdings hat sich die EU-Kommission dazu verpflichtet, bis Herbst 2013 Studien vorzulegen, die sich mit vorgenannten Themen befassen. Die "Made in"-Diskussion ist ohnehin nicht vom Tisch: Nach wie vor wird in Brüssel um einen Verordnungsvorschlag zur verpflichtenden Ursprungskennzeichnung gerungen.

Die bisherigen Vorschriften zur Faserkennzeichnung werden weitestgehend in die neue Verordnung übernommen. Auf Drängen des Parlaments ist künftig jedoch ein Hinweis anzubringen, falls ein Produkt "nicht-textile Bestandteile tierischen Ursprungs" enthält. Ob Besätze, Krägen oder Manschetten aus Echtpelz oder -leder sind, soll der Kunde in Zukunft schwarz auf weiß erfahren. Neu geregelt werden die Schwellenwerte für die Kennzeichnung mit dem Sammelbegriff "Sonstige Fasern". Die bisher mögliche Kennzeichnung mit der Angabe "85% Mindestgehalt…" entfällt. Stattdessen wird der Spieß umgedreht: Eine Faserart, die bis zu 5 Prozent am Gesamtgewicht ausmacht, oder mehrere Faserarten, die es gemeinsam auf 15 Prozent Gewichtsanteil bringen, dürfen als "Sonstige Fasern" bezeichnet werden – sofern aus technischen Gründen keine nähere Spezifikation möglich ist.

Die Textilkennzeichnungsverordnung wird voraussichtlich noch im Sommer in Kraft treten. Ab dann hat die Industrie sechs Monate Zeit, um sich auf die Neuerungen einzustellen. Daran schließt sich eine Übergangsfrist von zwei Jahren an, in der noch Ware mit "alter" Kennzeichnung über den Ladentisch gehen darf.