Neues aus der Forschung

Forschungsallianz zur mikrobiellen Herstellung und Verwertung von Biopolymeren gegründet

Industrie und Forschung haben zum Thema mikrobieller Herstellung und Verwertung von Biopolymeren eine Forschungsallianz gegründet: Neben dem Biotechnologie-Unternehmen Brain AG aus Zwingenberg, dem Viskose-Spezialfaser Hersteller Kelheim Fibres GmbH aus Kelheim arbeiten das Hohenstein Institut für Textilinnovation gGmbH in Bönnigheim und der Produzent hoch spezialisierter Stoffe für die Medizintechnik rökona Textilwerk GmbH in Tübingen an diesem Projekt.

Ziel der Forschungskooperation ist es, unter Etablierung eines nachhaltigen, mikrobiellen Bio-Prozesses, die Herstellung von Spezial-Alginat-Komponenten zu etablieren. Die Biopolymer-Produkte sollen zum einen für die Verwendung in topischen und wundphasenspezifischen Auflagen und zum anderen unter anwendungsspezifischer Modifikation der Matrices in technischen Textilien Anwendung finden. Die Vorteile eines mikrobiellen Produktionsprozesses liegen - abgesehen von einer hohen Reinheit und einer definierteren Materialbeschaffenheit des Biopolymers - auch in einer verbesserten Ökobilanz der Produkte. Teile des Allianzforschungsvorhabens werden unter dem Akronym AlBioTex vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) cofinanziert.

"In der Forschungsallianz wollen wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern ein qualitativ hochwertiges Matrix-System auf biologischer Basis aufbauen und gleichzeitig einen hinsichtlich Ausbeute und Technofunktionalität des Biopolymers nachhaltigen Prozess etablieren", beschreibt Dr. Guido Meurer, Unit Head Microbial Production Technologies bei der Brain AG, das Vorhaben. "Wir sind als Entwickler innovativer, unterstützend wirkender, bioaktiver Substanzen für den Einsatz in Medizinprodukten bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der Forschung aktiv. Diese Substanzen werden nun in entsprechende biologische Matrices eingebracht und so zu modernen Wundauflagen."

Primäres Ziel der Brain ist es, in Zusammenarbeit mit den Hohenstein Instituten die Entwicklung von mikrobiellen Produktionsorganismen zur Darstellung industriell relevanter Biopolymer-Quantitäten in entsprechenden Biofermentationsprozessen im industriellen Maßstab zu erreichen. Diese Forschungsergebnisse fließen in die gemeinschaftlich angestrebte Entwicklung innovativer Nonwoven-Materialien ein.

"Die Variation und Optimierung der Materialeigenschaften von Alginat war bislang nicht oder nur unter sehr großem Aufwand möglich. Durch Einsatz der Biotechnologie wird hier erstmals ein differenzierter Einsatz von Alginaten im textilen Spezialitätenbereich ermöglicht," freut sich Dr. Timo Hammer, Leiter der Forschung am Fachbereich Hygiene, Umwelt & Medizin der Hohenstein Institute und Koordinator des AlBioTex-Projekts. Die Kooperationspartner Kelheim Fibres und rökona Textilwerk partizipieren in der Allianz von dem Zugang zu qualitativ hochwertigem, homogenem Biopolymer. Geplant ist, daraus funktionale Textilien mit neuen Eigenschaften zu entwickeln und in Pilotprozessen darzustellen.

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