Das Fahrzeug als intelligenter Partner

Die Ausstellung „Future Mobility – Concepts and Design“ der Hochschule Reutlingen Mitte Juli zeigte innovative Studierenden-Projekte aus der Projektzusammenarbeit mit ARENA2036. In einer Expertenrunde wurden spannende Sichtweisen zum Thema „Autonomes Fahren – Chancen und Herausforderungen für die urbane Mobilität der Zukunft“ erörtert.

Wird das Fahrzeug künftig zum dritten Lebensraum und persönlichen Assistenten? Wie können wir auch ohne Führerschein und eigenes Fahrzeug mobil sein und dabei unsere Zeit optimal nutzen? Und welche Rolle spielen hierbei interaktive und intelligente Materialien? Diesen Fragestellungen widmeten sich Studierende des Studiengangs Transportation Interior Design der Hochschule Reutlingen in ihren Semesterprojekten. Sie stellten am 14. und 15. Juli auf der Design-Werkschau in der Stadthalle Reutlingen ihre Ergebnisse der Projektzusammenarbeit mit „ARENA2036“ zum Thema urbane Mobilität der Zukunft vor.

Bachelor- und Master-Design-Abschlussarbeiten zeigten autonome Fahrzeug-Konzepte zu verschiedenen Szenarien. „ARENA2036“ ist die größte Forschungsfabrik Europas. Das Partnernetzwerk besteht aus 22 regionalen Unternehmen, die Fahrzeugkonzepte und Produktionstechniken der Zukunft gemeinsam erarbeiten. „FlexCar Konzeptstudie“ heißt das in dieser Zusammenarbeit entstandene Projekt, dessen Ergebnisse auf der Ausstellung gezeigt wurden. Präsentiert wurden Konzept- und Design-Ideen für ein multimodales Mobilitätsangebot in der Stadt.

Am Puls der Stadt zeigte sich auch das Projekt „Carbon Pulse“ von Sina Hägele, Maxim Kimmerle und Janis Ufeil. Dieses Sharing-Fahrzeug wurde speziell für Sightseeing und Events in Großstädten entworfen. Durch organische Volumen und spannende Materialwechsel wird das Carbon Pulse Konzept zum extrovertierten Flex-Car der Mercedes-Benz Fahrzeug-Flotte. 3D Druck statt Karosserie, Elektromotor statt Verbrenner ermöglichen eine völlig neue Fahrzeugarchitektur. Das „lebendige“ Interieur sorgt bei jedem Erlebnis für die passende Stimmung. Eine frei bewegliche Sitzlandschaft, Augmented Reality für eine interaktive Sightseeing-Tour, ein runder Reiseleiter-Roboter namens „Nara“ und vieles mehr erwarten den Fahrgast der Zukunft.

FutureMobilityHochschuleRT2
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Foto: © Hochschule Reutlingen
Foto: © Hochschule Reutlingen

Spannende Sichtweisen eröffneten die Teilnehmer der Expertenrunde mit renommierten Vertretern der Automobil- und Transportindustrie zum Thema „Autonomes Fahren – Chancen und Herausforderungen für die urbane Mobilität der Zukunft“. Prof. Dr. Harald Dallmann, Vizepräsident der Hochschule Reutlingen, zeigte sich bei seiner Begrüßung begeistert von den entstandenen, studentischen Konzepten. Bestätigt wurde er von Christoph Heise, Leiter Bereich Kommunikation der IHK Reutlingen, der „die Arbeiten als sehr imponierend“ empfand und durch die Expertenrunde führte. Nicht weniger imposant präsentieren sich die Zahlen und Fakten der Region. „Mit rund 200 Unternehmen und über 32.000 Beschäftigten in der Automobilbranche weist die Region eine überdurchschnittliche Dichte an Automobil auf“, erklärte Heise.

Umso mehr stellt sich die Frage nach der Zukunft der Mobilität. Das Thema Elektromobilität, autonomes Fahren und veränderte Nutzergewohnheiten werden „das innerstädtische Leben verändern“, erklärte Prof. Michael Goretzky, Dekan der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen. „Wir als Designer müssen sehen, wie wir diese Veränderungen transformieren und aufnehmen“, führte Goretzky fort. In diesem Zuge wird auch „das Auto als Statussymbol neu definiert werden müssen“, so Goretzky. Für die Mobilität in der Stadt ergeben sich aus dem autonomen Fahren neue Möglichkeiten. Das Fahrzeug wird zum dritten Lebensraum und ermöglicht „eine Produktivität im Fahrzeug, nicht nur für Business-Manager“, erklärte Dr.-Ing. Florian Herrmann, Head of Competence Center Mobility Innovation am Fraunhofer Institute for Industrial Engineering. Laut Florian Hermann, sind die neuen Konzepte „nicht nur funktional, sondern auch ein emotionales Produkt”. Für die zukünftigen Fahrzeugkonzepte sieht Prof. Andrea Lipp-Allrutz, Studiendekanin des Studiengangs Transportation Interior Design, verstärkt „für den Kunden zugeschnittene Lösungen“. Künftig ist „das Fahrzeug nicht nur passiver Transporteur, sondern wird zum intelligenten Partner, der künftig Aufgaben des Alltags übernimmt“, führte Lipp-Allrutz aus. Für den mobilen Innenraum hat dies zur Konsequenz, dass „die Schnittstellen Fahrzeug / Mensch neu definiert werden“, erklärte Dipl. Ing. Gundolf Kopp, Forschungsfeldleiter Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) am Institut für Fahrzeugkonzepte, Fahrzeugarchitekturen und Leichtbaukonzepte. „Die Flexibilität in der Anwendung und in der Mobilität haben Auswirkungen auf das Interior. Das Auto wird künftig für den Nutzer vorbereitet sein“, so Kopp. Zum Einsatz kommen hier Smart Materials, die die Schnittstelle zwischen Mensch und Fahrzeug bilden.

In einer Expertenrunde wurden spannende Sichtweisen zum Thema „Autonomes Fahren – Chancen und Herausforderungen für die urbane Mobilität der Zukunft“ erörtert.
Foto: In einer Expertenrunde wurden spannende Sichtweisen zum Thema „Autonomes Fahren – Chancen und Herausforderungen für die urbane Mobilität der Zukunft“ erörtert.
© Hochschule Reutlingen

Bereits in den nächsten zwei Jahren werden einige Teilbereiche der visionären Konzepte in die Tat umgesetzt werden. Laut Gundolf Kopp (DLR) sind flexible Airbags, interaktiven Materialien, flexiblere Interieure und die Nutzeranpassung beim Einstieg der nächste Step.

„Konzepte mit Mischverkehr im autonomen und nicht-autonomen Bereich“ sieht Dr.-Ing. Florian Herrmann (Fraunhofer Institute for Industrial Engineering) als nächste Stufe. Zudem „forschen wir daran, wie man kostenfreie Mobilität erzielen und Geschäftsmodelle neu definieren kann“, erklärte Herrmann. „Das Fahrzeug als Partner“, so definiert Michael Goretzky die zukünftige Rolle des Fahrzeugs. Dadurch wird künftig eine stärkere Interaktion und Emotionalität entstehen. „Was früher der PS-Bolzen war, ist künftig das intelligente Auto, mein Freund“, so Goretzky abschließend.

Eine Werkschau der vorgestellten Arbeiten finden Sie unter Downloads.