Ochs und Maus in Maulburg

Freundliche Übernahme des Airbag-Herstellers GST

Arbeiten wie ein Ochse und essen wie eine Maus - das ist das koreanische Motto für den Weg zum Wohlstand. Wenn auch die neuen Eigentümer der Südwesttextil-Mitgliedsfirma GST in Maulburg das beherzigen, dürfte dem Airbag-Hersteller vom Hochrhein weiterhin eine prosperierende Zukunft bevorstehen.

Ende November verkündete das 1836 gegründete Unternehmen die Übernahme durch die südkoreanische Hyosung-Gruppe. Und die Freude war groß. "Eine ideale Gelegenheit," so Georg Saint-Denis, Chief Executive Officer von GST und Mitglied im Südwesttextil- Vorstand. Der ostasiatische Mischkonzern mit einem Jahresumsatz von rund 10 Milliarden Dollar ist bereits im Textilgewerbe mit der Produktion von Garnen tätig. So wird aus der Verbindung mit den Deutschen eine ideale Symbiose: Hyosung erweitert seine Sparte "Car Industrial Material" um deutsche Airbags und GST bekommt direkten Zugriff auf das Garn für seine Luftkissen. Und obendrein erleichterten Zugang zum asiatischen Markt.

Zwölf Millionen Euro sollen nach der Akquisition nun in den Standort am Hochrhein investiert werden, so Saint-Denis. Er selbst wird - mit zusätzlichen internationalen Aufgaben betraut - auch weiterhin für das Unternehmen im Südschwarzwald Verantwortung tragen. Wachstum und Nachhaltigkeit sind die Hoffnung gebenden Begriffe, die beide Partner bei der Bekanntgabe der Übernahme vor der Belegschaft und der Presse besonders betonten. Selbst die örtliche IG Metall ist von der Strategie des koreanischen Unternehmens überzeugt: "Die Beschäftigten sind ihnen wichtig. Das kann eine tolle Sache werden", wird ein Gewerkschaftsvertreter in der Lokalpresse zitiert.

Global Safety Textiles, für das die drei Buchstaben GST stehen, soll seinen Namen voraussichtlich behalten. Denn zu häufig schon wechselte dieser in den zurückliegenden Jahren und sorgte für Verwirrung. Die Firma unterhält neben Maulburg weitere deutsche Standorte in Bad Säckingen und Murg mit insgesamt 370 Mitarbeitern. Dazu kommen europäische Produktionsstätten in Polen, Tschechien und Rumänien sowie in den USA, Mexiko, China und Südafrika. In 2011 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 265 Millionen Dollar.

Besonders engagiert ist GST in der Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter und gehört dabei zu den größten Kunden der Gatex, die das Schulungsangebot in der Gemeinschaftsausbildungsstätte Textil in Bad Säckingen in Anspruch nehmen. "Deutschland ist Heimathafen für Innovation, Knowhow und Impulse", sagt Georg Saint-Denis, weshalb ihm die Qualifizierung der Beschäftigten gerade in Zeiten der Globalisierung besonders wichtig ist. Sein persönliches Motto dabei lautet: "Immer hungrig bleiben." Klingt durchaus kompatibel mit dem koreanischen Weg zum Wohlstand.

Vor 175 Jahren, im Jahr 1836, liefen in Bad Säckingen die ersten Webmaschinen des Unternehmens Bally und Söhne an. Produziert wurden hochwertige Seidenbänder, die die Schwarzwälder Trachten schmückten. Fünf Jahre später erweiterte das Unternehmen sein Sortiment um elastische Hosenträger und Strumpfbänder. Eine Namensänderung gab es 1933 in Seiba. Ab 1952 wurden dann Stoffe für Blusen und Damenkleider gewebt. Die Entwicklung des ersten Airbags begann 1987, nach dem sich der neue Name Berger Safety Textiles (BST) richtete. 2007 übernahm das US-Unternehmen ITG das Unternehmen, ging allerdings 2009 Pleite. Seit 2010 wurde GST unter Georg Saint-Denis reorganisiert, ein Bankkonsortium stellte das nötige Eigenkapital zur Verfügung. (Quelle: Südkurier vom 18.11.2011)