Ökologie vom Feinsten

Gebr. Otto setzt auf Recycling-Garn und erlesene Kapok-Mischungen

Seit mehr als 100 Jahren produziert die Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei in ihren Werken in Dietenheim und Balzheim hochwertige Garne und Zwirne für die Strickerei und Weberei. Nachhaltige Produktion wird dabei großgeschrieben: 2002 erhält das Unternehmen das Umweltmanagement-Zertifikat Öko-Tex Standard 1000 – als erste Spinnerei und Färberei Deutschlands überhaupt. Nach ISO 14001 hat sich das Unternehmen sein Umweltmanagement bereits 1997 zertifizieren lassen, für das begehrte IVN/GOTS-Label vor über zehn Jahren.

Ende 2010 wurde der traditionsreiche Familienbetrieb mit 160 Mitarbeitern für seine nachhaltigen Produktkonzepte unter Einsatz neuartiger, nachhaltig produzierter Naturfasern mit dem Umweltpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Dabei kommt zertifizierte Fair Trade und Bio-Baumwolle zum Einsatz, im Rahmen der neuen Sparte Otto Medicare auch im Bereich der Hygiene-Produkte.

Beim Nachhaltigkeitskonzept recot² setzt die Firma Otto auf recycelte Baumwolle. Dazu werden Abfälle aus dem Herstellungsprozess wie Spulfäden oder Webkanten in maximaler Menge in die Produktion rückgeführt und zu einem hochwertigen Garn verarbeitet. "Aus ökologischer Sicht würde bereits eine Mischung von 50 Prozent recycelter Baumwolle mit 50 Prozent neuer Baumwolle eine globale Wassereinsparung von 10 000 Litern pro Kilogramm Garn ergeben", erläutert Geschäftsführer Andreas Merkel die positive Umweltwirkung. Das Spinnverfahren recot² wird im Rahmen des Förderschwerpunktes "Umwelttechnik" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU gefördert. Um die energetischen Aspekte zu dokumentieren, erarbeitet die Universität Ulm derzeit eine Ökobilanz nach DIN ISO 14040.

Dem ebenfalls nachhaltig hergestellten Garn Piumafil liegt ein anderes Konzept zugrunde: Baumwolle wird mit Kapok gemischt, der leichtesten bekannten Naturfaser. Kapok, auch Pflanzendaune oder Pflanzenkaschmir genannt, wächst wild im Regenwald, gedeiht nicht in Monokulturen und ist frei von jeglichen Chemikalien. Die federleichte Faser galt lange als nicht verspinnbar und wurde überwiegend nur als Füllmaterial wie z. B. bei Schwimmwesten, Rettungsringen und Matratzen verwendet. Durch innovative Spinntechnologien ist es der Firma Otto 2006 erstmals gelungen, Kapok in einer Mischung mit Baumwolle zu einem hochwertigen Premium-Garn zu verspinnen. Die 2 bis 4 cm lange Hohlfaser mit 80 Prozent Lufteinschluss sorgt für eine natürliche thermoregulierende Wirkung. Weil Kapok sechsmal leichter ist als Baumwolle, sind Textilien aus Piumafil bei gleichem Volumen um 10 Prozent leichter als solche aus reiner Baumwolle und haben einen seidigen Griff.

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