Optimismus - eine verwegene Eigenschaft

Horn fokussiert die Herausforderungen der Maschenindustrie

Rede Heinz Horn

Rede von Heinz Horn, Präsident Gesamtmasche, Jahresversammlung 2012

Die Kostenentwicklung für textile Rohstoffe, die hohen Energiekosten und die Zunahme an bürokratischen Auflagen - das sind die derzeit wichtigsten Herausforderungen der deutschen Maschenindustrie. Heinz Horn, Präsident von Gesamtmasche, beleuchtete diese drei Themen auf der Jahresversammlung am 24. April genauer.

Nach dem Höhenflug der Baumwollpreise habe auch der Wollmarkt letztes Jahr die weltweite Rohstoffknappheit deutlich zu spüren bekommen. Gleiches gelte, dank der steigenden Ölpreise, auch für die Chemiefaserproduktion. "Uns als Hersteller ist es nicht in ausreichendem Umfang gelungen, die gestiegenen Preise an unsere Kunden weiterzugeben", stellte Horn fest. Die Marktverhältnisse seien nicht ausgewogen: Wenige mächtige Player erzwängen häufig wirtschaftlich ungesunde Kompromisse. Das durchzuhalten koste die Maschenbetriebe viel Kraft und Kreativität.

Darüber hinaus gefährdeten die hohen Energiekosten zunehmend den Produktionsstandort in Deutschland. Die Betriebe seien auf eine zuverlässige, wettbewerbsfähige und saubere Energieversorgung angewiesen - wären aber im Jahr mit einer rund 100 Mio. Euro teuren EEG-Umlage belastet, weitere Kosten wie z. B. für den Netzausbau noch nicht eingerechnet. "Deshalb kann man es uns nicht verübeln, dass wir nach Wegen suchen, die Unternehmen von dieser Bürde zu entlasten", erklärte der Präsident. Nachdem politische Einflussnahme noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, habe man juristische Argumente bemüht und Zweifel an der Rechtmäßigkeit der EEG-Umlage vorgebracht. "Wenn unsere Betriebe vor diesem Hintergrund nun die Zahlungen verweigern, dann ist das vor allem ein Hilferuf. Hoffentlich wird er von den verantwortlichen Politikern auch verstanden.“

Ein darüber hinaus unnötig belastendes Ärgernis sei die Zunahme an bürokratischen Auflagen. Angefangen bei der neuen Textilkennzeichnungs-Verordnung der EU, nach der selbst der Perlmutt-Zierknopf am Minislip wegen seines tierischen Ursprungs auf dem schmalen Etikett erwähnt werden müsse, bis zum Wildwuchs in der Außenwirtschaftsbürokratie: die Dienstvorschrift für die Passive Veredlung und die Einführung einer so genannten "Gelangensbestätigung" für umsatzsteuerfreie Lieferungen in der EU; oder die neuen Sicherheitsanforderungen in der Luftfracht. "So macht man die mittelständische Textilindustrie zum Antiterrorkommando - eine Eigenschaft, die wir bisher nicht zu unseren Dienstleistungen gerechnet haben."

Doch aller Schwierigkeiten zum Trotz würden Textiler in den Herausforderungen auch immer Chancen sehen. Deshalb blicke die Branche mit vorsichtigem Optimismus nach vorn: Eine robuste Inlandsnachfrage und anziehende Orders aus Ländern außerhalb des Euroraums ließen genügend Platz für Zuversicht. Der Export von Maschenbekleidung hätte im vergangenen Jahr um sieben Prozent zugelegt, Miederwaren um acht und Maschenstoffe sogar um zehn Prozent. "Wir erwarten auch in diesem Jahr, dass der private Konsum die Konjunktur unserer Branche stützen wird", schloss der Präsident optimistisch.