Partnerschaft mit Hindernissen

Deutsche Textil- und Modebranche könnte stark vom Freihandel mit den USA profitieren

Seit Juli 2013 verhandeln die EU und die USA über die Gründung einer transatlantischen Freihandelszone, die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Sollte es gelingen, Zölle und andere Barrieren im gemeinsamen Handel abzubauen, rechnet die EU-Kommission mit 400 000 neuen Arbeitsplätzen und eine Steigerung der europäischen Wirtschaftsleistung um 120 Milliarden Euro pro Jahr.

Was heißt das für die deutsche Textil- und Modebranche? Die USA zählen traditionell zu ihren größten Abnehmern. Unter den Ausfuhrzielen deutscher Textil- und Modehersteller außerhalb der EU belegen die USA Rang 3 nach der Schweiz und Russland. Betrachtet man ausschließlich Textilien, liegt der US-Markt sogar auf Rang 2. Gleichzeitig stoßen die Lieferungen auf hohe Zollmauern: 16 bis 17 Prozent auf textile Fertigwaren ist der übliche US-Zollsatz. Sind bestimmte Fasern wie Wolle oder feine Tierhaare im Spiel, steigt der Satz schnell auf 25 bis 30 Prozent.

Das sind Belastungen, die den Export schnell unattraktiv machen können. Zudem sind sie weit entfernt von den gerne zitierten "knapp 3 Prozent" Durchschnittszoll der USA. Der klassische Verhandlungsbereich der Zölle birgt somit riesiges Potenzial. Dazu kommt die Chance, verschiedene Standards, Prüf- und Statistikmethoden anzugleichen. Mehr noch: Angesichts der Größenordnung der Liberalisierung dürfte es für einige Anbieter lohnend sein, die Konfektion innerhalb der EU wieder zu stärken. Schließlich profitiert vom Zollabbau nur, wer in der EU produziert.

Doch die öffentliche Debatte um die Verhandlungen wird aktuell von ganz anderen Themen dominiert. Neben der Unterwanderung europäischer Lebensmittel- und Umweltstandards stehen Datenspionage und die Furcht vor Auswüchsen des Investorenschutzes im Vordergrund. Außerdem sorgt die Kultur von Verhandlungen hinter verschlossenen Türen für Unmut. Keine Frage: Ohne gemeinsame Standards - und Werte - kann Freihandel nicht funktionieren. Also ist für sämtliche Anliegen der gemeinsame Nenner herauszufinden. Das gilt auch für Chlorhühnchen und Fracking. Auch wenn sich inzwischen mancher fragt, wie groß die Gemeinsamkeiten eigentlich noch sind.

''Brüssels Ohr für KMU
Die EU-Kommission will nun insbesondere mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit geben, sich zu den TTIP-Verhandlungen zu äußern. Durch direkte Gespräche mit den Firmen wollen die Beamten herausfinden, wo die Liberalisierung aus Sicht der Wirtschaft am effektivsten ansetzen kann. Auch die Textil- und Modebranche steht im Fokus. Die Stuttgarter Textilverbände wurden deswegen bereits von der Brüsseler Generaldirektion Handel kontaktiert. Firmen, die ihre Anliegen im Zusammenhang mit dem Exportmarkt USA bei der EU-Kommission vortragen möchten, sollten sich umgehend beim Verband melden.''

Foto: © bluedesign - Fotolia.com