Jamaika – zumindest auf dem Teller

Zu viele Köche verderben den Brei. In Berlin war das im Herbst zu beobachten. Ein Glück, dass die lukullische Umsetzung der Jamaika-Koalition von nur einem Koch bewerkstelligt wurde: Markus Bischoff, Chef de cuisine im Stuttgarter „Bischoff’s Club“ kredenzte zum „President’s Dinner“ von Südwesttextil ein schwarz-grün-gelbes Menü, das die Gäste schmunzeln ließ.

Dr. Hajo Schumacher kommentierte launig, kenntnisreich und mutig den Wahlausgang.
Foto: Dr. Hajo Schumacher kommentierte launig, kenntnisreich und mutig den Wahlausgang.
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Die Flädle-Wraps vorab waren der „Gruß vom schwäbischen Cem“, der Kabeljau zur Vorspeise ein „Gruß von der norddeutschen Angela“, der Rehrücken zum Hauptgang ein „Gruß vom Hobby-jäger Christian“ und der Topfen zum Nachtisch der „Gruß von der Schwester im Freistaat“.

Dr. Frank Schaller, Astrid Diels, Thomas Diels und Martina Schaller (v.l.n.r.)
Foto: Dr. Frank Schaller, Astrid Diels, Thomas Diels und Martina Schaller (v.l.n.r.)
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Die Speisefolge bildete den Rahmen für die zweite Auflage des Netzwerk-Abends für Führungskräfte aus Mitgliedsunternehmen, zu dem Südwesttextil-Präsident Bodo Th. Bölzle eingeladen hatte. Das Thema war der Ausgang der Bundestagswahl und die möglichen Regierungsperspektiven. Als Dinnerspeaker war der Berliner Journalist und Politszene-Kenner Dr. Hajo Schumacher angereist, bekannt als früherer Chef des Berliner Spiegel-Büros und Gast in zahlreichen Talkshows. Seine Promotion hat er über die Führungsstrategien von Angela Merkel verfasst.

Launig, kenntnisreich und mutig kommentierte er den Wahlausgang und alles, was danach passierte. Und: Er sah bereits voraus, dass das mit Jamaika schwierig bis unmöglich werden könnte. Schumacher bot den 50 Gästen eine heitere, kluge, hintergründige Dinner Speech mit vertraulichen Einsichten in den Berliner Politikbetrieb. Schumacher hielt es bereits im Oktober für möglich, dass das „Nein“ der SPD zu einer Neuauflage der GroKo nicht endgültig sei. Vielleicht müsse dafür Martin Schulz beiseite geräumt werden.

Südwesttextil-Präsident Bodo Th. Bölzle
Foto: Südwesttextil-Präsident Bodo Th. Bölzle
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Ein informativer und genussreicher Abend, der auch viel Platz für Gespräche unter den Industrievertretern bot. So nutzte Präsident Bölzle die Zusammenkunft auch für die Ehrung eines Mitgliedsunternehmens, das wenige Tage zuvor sein 140-jähriges Bestehen gefeiert hatte: Zweigart & Sawitzki in Sindelfingen, das technische und Handarbeitsgewebe fertigt. Die Urkunde des Verbands nahm Dr. Frank Schaller in Vertretung des Zweigart-Geschäftsführers Andreas Georgii entgegen. Getreu dem Motto „Verband kommt von Verbinden“ versprach Bodo Th. Bölzle den Mitgliedern auch für 2018 ein President’s Dinner – auch dann wieder ganz bewusst mit limitierter Teilnehmerzahl. „Mal sehen, ob wir dann eine neue Regierung haben…“, ulkte ein Teilnehmer.