Textilindustrie erwartet Umsatzplus

Risiken durch Rohstoffkosten und Karstadt-Krise

Trotz einer spürbaren Abkühlung des Geschäftsklimas im zweiten Quartal dieses Jahres erwartet die baden-württembergische Textil- und Bekleidungsindustrie in 2014 ein Wachstum von rund zwei Prozent. „Wir sind mit dem bisherigen Jahresverlauf nicht unzufrieden“, resümiert der neue Präsident des Branchenverbandes Südwesttextil, Bodo Th. Bölzle die gegenwärtige Lage der rund 200 Unternehmen im Land. Denn die Umsatzentwicklung in den ersten fünf Monaten verlief mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum „erfreulich gut“. Auch wenn 40 Prozent der Unternehmen nach der jüngsten Verbandserhebung mit rückläufigen Inlandsumsätzen rechnen, bleibt die Branche optimistisch. Denn ein Großteil des Wachstums finde mittlerweile im Ausland statt, so Bölzle. Das zeige die Investitionstätigkeit der Unternehmen, die sich im Vergleich zum Vorjahr um knapp anderthalb Prozent überwiegend im Ausland erhöhen werde. Ein entscheidender Grund für die Auslandsinvestitionen sind die vergleichsweise hohen Energiekosten in Deutschland, die der Verband schon seit längerem für wettbewerbsschädlich hält.

Risiken für die konjunkturelle Entwicklung der Betriebe sieht der Verband auch in den jüngst dramatisch gestiegenen Kosten für bestimmte Textilfarbstoffe. So hätten sich besonders Automobiltextilien aufgrund von Kapazitätsengpässen bei den vorwiegend asiatischen Chemielieferanten um mehrere hundert Prozent verteuert. „Diese Kosten können unsere Textilveredlungsbetriebe nicht alleine tragen“, warnt Bölzle und fordert die Autohersteller zu Zugeständnissen auf.

Sorge bereitet der Branche auch die Entwicklung um den Warenhauskonzern Karstadt. Nach dem überraschenden Abgang der Karstadt-Chefin hat der Aufsichtsratsvorsitzende am Dienstag dieser Woche schmerzhafte Einschnitte angekündigt. Insbesondere die Hersteller von Wäsche sowie Damen- und Herrenbekleidung fürchten nun, dass ihnen massive Preisnachlässe abgenötigt werden sollen, was viele kaum verkraften könnten.

Die Diskussion um die jüngst von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) geforderte verpflichtende Einführung eines einheitlichen Textilsiegels für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktion will die Industrie konstruktiv begleiten. Allerdings zweifelt sie an der Sinnhaftigkeit eines deutschen Alleingangs. „Viele bestehende Probleme vor allem in einigen asiatischen Produktionsländern können nicht von Deutschland aus gelöst werden“, so der Südwesttextil-Präsident, „hier sind vor allem die Regierungen und Behörden vor Ort in der Pflicht“. Diese müssten mit Nachdruck zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards angehalten werden, das im Schnitt kleine mittelständische Textilunternehmen sei dazu beim besten Willen nicht in der Lage.

Wirtschaftsdaten im Überblick: Die baden-württembergische Textil- und Bekleidungsindustrie erzielte im Jahr 2013 einen Umsatz von 6,95 Mrd. Euro. Dies ist ein Umsatzzuwachs von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Baden-Württemberg gibt es rund 200 Textil- und Bekleidungsunternehmen, die 24 520 Arbeitnehmer beschäftigen.