Protektionismus unterm Halbmond

Europaparlamentarier gegen türkische Schutzzölle aktiv

Nun machen EU-Abgeordnete der EVP-Fraktion gegen den Protektionismus mobil: Um die heimische Textil- und Bekleidungsindustrie vor unliebsamer Importkonkurrenz zu schützen, erhebt die Türkei seit Ende Juli 2011 auf zahlreiche Waren Zusatzzölle von bis zu 30 Prozent. Mitte Dezember wurden die Safeguards auf weitere Produkte ausgedehnt, darunter Maschenstoffe jeglicher Art, sämtliche Miederwaren sowie eine breite Palette von Haustextilien wie Bettwäsche, Tischwäsche und Frottierwaren, außerdem bestimmte Verbandstoffe, verschiedenste Gewebe und weitere Bekleidungswaren.

Waren mit Ursprung in der EU und in Staaten, mit denen die Türkei Freihandelsabkommen geschlossen hat, sollten eigentlich von den Zöllen ausgenommen sein, auch für Entwicklungsländer müsste es Nachlass geben. Doch das ist für europäische Exporteure nur Theorie. Denn bisher scheint den türkischen Zollbehörden keine Art des Ursprungsnachweises genehm.

Dass die Zollunion zwischen EU und Türkei durch die Maßnahmen faktisch ausgehebelt wird, wollen betroffene Hersteller und Händler, aber auch einige EU-Abgeordnete nicht kampflos hinnehmen. Am 10. April lädt die EVP-Fraktion unter Führung von MEP Daniel Caspary, dem Koordinator des EP-Ausschusses für Internationalen Handel (INTA), interessierte Unternehmer zum Hearing nach Brüssel ein. Der Gesamtverband textil+mode unterstützt die Veranstaltung gemeinsam mit Organisationen wie dem BDI, BGA, Eurocommerce, der Foreign Trade Association, dem europäischen Textileinzelhandelsverband und der European Branded Clothing Alliance. Auch Vertreter der türkischen Industrie kommen zu Wort.

Betroffene Unternehmen sind eingeladen, am Experten-Hearing zu den Schutzzöllen der Türkei am 10. April in Brüssel teilzunehmen. Programm und Anmeldung stehen im Außenwirtschaftsforum des Mitgliederbereichs von http://www.suedwesttextil.de.

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