Reach, Biozide und die Industrieemission

Wieder gut besucht: die diesjährige Umweltaussprache von Südwesttextil

Mit 28 Seminarteilnehmern vermeldete die von Südwesttextil in Zusammenarbeit mit dem IVGT veranstaltete Umweltaussprache erneut einen Teilnehmerrekord. Insbesondere die REACh- Verordnung, die fünf Jahre nach Inkrafttreten nun auch spürbare Auswirkungen auf die hiesigen Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindustrie hat, führt aufgrund der Komplexität der Regelungen sowie der drohenden Folgen bei deren Nichtbefolgung zu einem hohen Informationsbedarf.

Im ersten Teil der Veranstaltung brachte die Referentin Dr. Monika Kohla, Geschäftsführerin und Leiterin der Umweltabteilung des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V., die Verordnung für die Teilnehmer in ein plastisches und verständliches Format und gab wertvolle Tipps für die Praxis. Es sei bei der Verwendung von Chemikalien innerhalb Europas vermehrt damit zu rechnen, dass sogenannte neue erweiterte Sicherheitsdatenblätter zu Einzelstoffen, wie Schwefelsäure, Natronlauge oder Wasserstoffperoxid den Unternehmen in Zukunft zu schaffen machen werden. Anhand von Beispielen legte sie dar, worauf bei der Anwendung der Sicherheitsdatenblätter geachtet werden müsse. Neben der Verwendung von Chemikalien führe auch das Inverkehrbringen von Textilien zur Anwendung der REACh- Verordnung. Sobald ein Stoff der Kandidatenliste in einer Konzentration von mehr als 0,1 Prozent im Textil enthalten sei, greife die Verpflichtung, seinen nächsten Kunden darüber zu informieren.

Zum Abschluss ihres Vortrags ging Dr. Kohla auf die neue Biozidprodukte-Verordnung ein, die in diesem Jahr in Kraft treten wird. Positiv bewertete sie, dass die textilspezifische Anwendung von Bioziden, die eine Besiedlung der Textiloberfläche mit Keimen verhindern soll, erstmalig abgedeckt sei. Eher kritisch beurteilte die Expertin jedoch die neu eingeführten Kennzeichnungsverpflichtungen, für den Fall, dass ein Textil Biozide enthalte. Sie äußerte jedoch die Hoffnung, dass sich eine europaweit einheitliche Umsetzung des Umgangs mit biozidhaltigen Erzeugnissen ergeben werde.

Im zweiten Teil der Umweltaussprache befasste sich der Referent Michael Pöhlig, stellvertretender Geschäftsführer des IVGT, mit der Umsetzung der Richtlinie über Industrieemissionen (IED). Die IED-Richtlinie ist für die Genehmigung von industriellen Anlagen in der EU von zentraler Bedeutung. Er stellte dar, dass im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht etliche Gesetze und Verordnungen geändert werden müssten. Für die Textilindustrie von großer Bedeutung sei dabei die neue europarechtliche Einordnung der "Besten verfügbaren Techniken – BVT". Daneben gab der Experte den Teilnehmern Erfahrungen aus der Praxis weiter, wie die Behörden die systematische Beurteilung der Umweltrisiken bei Betrieben mit genehmigungsbedürftigen Anlagen im Rahmen der Umweltinspektionen umsetzen.

Die Seminarunterlagen können auf Anfrage bei Südwesttextil abgerufen werden.