Risikobereitschaft steigt

Südwesttextil im Gespräch mit Atradius

Südwesttextil-Präsident Armin Knauer traf sich Mitte August mit Eckhard Klees, Abteilungsdirektor beim Regional Center Süd von Atradius, um sich über die aktuelle Lage am Kreditversicherungsmarkt auszutauschen. Seit Herbst 2008 haben
die Kreditversicherer in großem Umfang Limits gekürzt und Deckungen für bestimmte Kunden sogar ganz gestrichen. Die Branche fürchtete gefährliche Kettenreaktionen. Dann kam der staatliche Schutzschirm in Form des „Top-up-Modells“. Auch wenn es stiller geworden ist um das Thema: Viel verändert hat sich seither nicht. Die staatlichen Deckungen werden wenig in Anspruch genommen, obwohl die Zeichnungspolitik der Versicherer nach wie vor restriktiv erscheint.

Ende 2008 hätten sich die Bonitätsratings vieler Unternehmen rapide verschlechtert, sagt Klees. „In den Fällen, bei denen Forderungsausfälle hoch wahrscheinlich waren, mussten wir – auch im Sinne der Versicherungsnehmer – die Deckung für zukünftige Lieferungen reduzieren oder ganz aufheben“, so Klees. Allein in 2009 habe man aber mit rund 5 500 Schadenzahlungen allein in Deutschland eine Vielzahl von Unternehmen stabilisiert. Man habe im Zuge der Wirtschaftskrise die Frequenz der Informationseinholung deutlich erhöht.

Das quartalsmäßige Einsammeln der Betriebswirtschaftlichen Auswertungen soll eine zeitnahe Bewertung sicherstellen. Die zunehmende Transparenz führe dazu, dass viele Unternehmen anders bewertet und Kreditlimite erhöht werden konnten, auch in der Textil- und Bekleidungsbranche. Dabei stelle man nach wie vor die Prüfung des Einzelfalls in den Vordergrund. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Branche sei per se kein Nachteil. Klees weist außerdem darauf hin, dass Versicherungskunden neben der Risikoabsicherungsfunktion auch den Bonitätsprüfungsgedanken nicht unterschätzen sollten.

Das Gesamtexposure sei in den letzten Monaten wieder deutlich nach oben gegangen. So sei allein das inländische Deckungsvolumen aller Kreditversicherer von Januar bis Mai 2010 bereits wieder um fast 10 Milliarden Euro auf 254 Milliarden Euro gestiegen. Ein gutes Exportgeschäft und eine Beruhigung der Insolvenzstatistik hätten zu einem neuen Risikoappetit geführt. Das heiße aber nicht, dass man schon gänzlich über den Berg sei. Einige wichtige Handelspartner in Europa wiesen weitaus schlechtere Daten auf als Deutschland. Wirklich aufatmen können vor allem die automobilorientierten Textiler noch nicht. Klees würdigte zwar die positiven Aussichten der Autobauer vor allem im Export, verwies aber auf die Strukturprobleme der Zuliefererbranche.

Knauer und Klees sind sich einig: Ein offener Dialog ist zur Bewältigung der Krise entscheidend.