Röntgen oder ab in den Käfig

Versand per Luftfracht wird durch neue Auflagen erschwert

Aufregung um sichere Luftfracht: Ab 25. März 2013 gelten verschärfte Sicherheitsrichtlinien. Wer sich nicht aufwendig zum "bekannten Versender" zertifizieren lässt, riskiert höhere Kosten und Lieferverzögerungen. Der vom Luftfahrtbundesamt vergebene Status erhitzt derzeit die Gemüter vieler mittelständischer Exporteure.

Wer bis in einem Jahr keine Zertifizierung erhalten hat, kann keine als "sicher" eingestufte Luftfracht mehr versenden. Der beauftragte Spediteur ist in diesem Fall verpflichtet, die Ware zu kontrollieren. Das kostet Zeit und Geld. Ein großes Thema auch für viele Textil- und Modefirmen, bei deren Lieferungen es auf Schnelligkeit und Pünktlichkeit ankommt. Betroffen sind in Deutschland insgesamt rund 66 000 Firmen.

Wer bekannter Versender werden möchte, muss umfangreiche Voraussetzungen erfüllen. Das kann so teuer werden, dass sich die Prozedur nur für Unternehmen mit größeren und regelmäßigen Luftfrachtsendungen lohnen dürfte. Für die Zulassung zum bekannten Versender sollen demnächst Gebühren erhoben werden – "zwischen 5 000 und 15 000 Euro je zuzulassendem Betriebsstandort", wie es im Info-Blatt des LBA heißt. Die Gebührenverordnung befindet sich zurzeit im Gesetzgebungsverfahren. Wann sie in Kraft tritt, ist noch unsicher. Die Gebühren könnten laut LBA durchaus auch rückwirkend für bereits erteilte Zulassungen erhoben werden. Gravierender noch dürften die Kosten zu Buche schlagen, die zur Erfüllung der umfangreichen Zulassungsvoraussetzungen anfallen. Dazu gehört neben Personalschulungen und regelmäßigen internen Audits auch, dass die Fracht "manipulationssicher verpackt und sicher gelagert wird". In der Praxis bedeutet das "abschließbare Metallkäfige oder Verwahrräume".

Die verschärften Sicherheitsrichtlinien gelten bereits seit fast zwei Jahren, allerdings mit einer dreijährigen Übergangsfrist. Unternehmen, die bis zum Stichtag 29. April 2010 eine so genannte Sicherheitserklärung abgegeben haben, werden bis 25. März 2013 als bekannte Versender anerkannt. Dadurch können sie ihre Luftfracht aktuell noch im Status "sicher" versenden und müssen sie nicht vor Verladung ins Flugzeug kostenpflichtig kontrollieren lassen. Im Februar waren erst 44 deutsche Unternehmen als bekannte Versender zertifiziert.

Foto: Paul Hartmann AG