Russisches Comeback

Konsum und Importe haben in 2010 wieder angezogen

Der russische Modemarkt hat sich im Jahresverlauf deutlich erholt. Die Importe sind um ca. 15 Prozent gestiegen, und 2011 soll sich das Einfuhrwachstum auf diesem hohen Niveau fortsetzen. Bei der 15. Ausgabe der Collection Première Moscow (CPM) im September stiegen die Bestellungen um bis zu 30 Prozent.

Auch deutsche Anbieter profitieren: Seit Juli liegen ihre monatlichen Textil- und Bekleidungsausfuhren nach Russland wieder deutlich über den Vorjahreswerten. Die Exporte, die im Jahr 2008 die Milliarden-Euro-Grenze geknackt hatten, waren 2009 angesichts der herben Krisenfolgen in Russland um fast 30 Prozent eingebrochen.

Bereits in der ersten Jahreshälfte 2010 verzeichnete der russische Einzelhandel wieder kräftige Umsatzzuwächse und nähert sich dem Vorkrisenniveau. Deutsche Marken möchten sich den Aufschwung zu Nutze machen und planen zunehmend die Eröffnung eigener Läden. Geeignete Standorte finden sie in den ständig wachsenden Shopping Malls der russischen Metropolen. Neben internationalen und russischen Vertikalen dominieren dort Monobrand-Geschäfte.

Der russische Privatkonsum hat 2010 um etwa 5 Prozent zugenommen. Dass Russen gerne konsumieren, wird häufig auf den immer noch anhaltenden Nachholbedarf nach der Sowjetzeit zurückgeführt. Dazu kommt, dass die Russen nicht unbedingt großes Vertrauen in die Banken und den Rubel haben: In den 90er Jahren erlebte Russland dreimal eine galoppierende Inflation. Daher setzen viele ihren Verdienst lieber schnell in Gegenwerte um, als ihn auf die hohe Kante zu legen. Allerdings haben die verheerenden Brände des vergangenen Sommers Lebensmittel deutlich teurer gemacht. So sparen viele Russen zwar nicht, doch für Anschaffungen über das Nötigste hinaus fehlt ihnen aktuell das Geld.

Vorsicht vor Markenpiraterie: Wie die russische Gesellschaft für Verbraucherschutz berichtet, handelt es sich bei 30 bis 40 Prozent der in Russland verkauften Markenware um Plagiate. Zwar gibt es Gesetze, aber kaum Sanktionen – Markenrechtsverstöße werden mit Bußgeldern von um die 150 Euro geahndet. Immer häufiger verlangen russische Einzelhändler daher beglaubigte Konformitätszertifikate von ihren Lieferanten. Zertifikate über die Echtheit der Ware sind in einigen russischen Gemeinden bereits Pflicht für den Handel.