Schnelle Hilfe bei Herzstillstand

Textile Kühl-Pads in neuartiger Hypothermie-Notfallweste schützen vor neurologischen Schäden

Textile Kühlpads sollen künftig neurologische Schäden nach einer erfolgreichen Wiederbelebung verhindern helfen. Das von Wissenschaftlern der Hohenstein Institute in Bönnigheim entwickelte System kommt ohne Strom aus und ist damit insbesondere für die Erstversorgung bei einem Herzstillstand optimal geeignet.

Im Rahmen eines vom Land Baden-Württemberg geförderten Forschungsprojektes beim Ideenwettbewerb ‚Biotechnologie und Medizintechnik’, entwickelten die Forschergruppe um Prof. Dr. Dirk Höfer den Prototyp einer textilen Kühlweste.

Seit langem weiß man, dass Kälte das Gehirn vor dem gefürchteten Sauerstoffdefizit bei mangelnder Durchblutung bewahren kann. Die gezielte Absenkung der Temperatur im Körperinneren auf 32 °C bis 34 °C schützt das Denkorgan nachweislich vor irreparablen neurologischen Schäden. Dieses einfache, doch überaus wirksame Therapieprinzip machen sich die Hohensteiner Wissenschaftler zu Nutze. Hierzu entwickelten sie zunächst ein wasser- und absolut luftdichtes textiles Hohlgewebe, sogenannte Kühl-Pads, die mit entsprechenden Anschlussmöglichkeiten versehen und in eine Weste integriert sind. Die Kühl-Pads sind mit einem unter Vakuum stehenden Metallbehälter verbunden, der ein spezielles Mineral (Zeolith) enthält. Beim Öffnen eines zwischengeschalteten Ventils wird das Wasser in den Pads schlagartig fast bis zum Gefrierpunkt heruntergekühlt und damit auch dem Körper des Patienten sehr effektiv Körperwärme entzogen. In Zukunft sollen die autarken Kühl- Pads moderne mobile Defibrillatoren ergänzen und z.B. in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln von Ersthelfern ohne medizinische Kenntnisse eingesetzt werden. Patienten mit Herzstillstand haben damit eine deutlich bessere Chance nur geringfügige Folgeschäden davonzutragen.

"Die Kühl-Pads besitzen enormes Potenzial in der neurologischen Rehabilitation bei Herzstillständen.", so Prof. Dr. Dirk Höfer. "Neben den Vorteilen für den einzelnen Betroffenen bedeutet jeder vermiedene Pflegefall zudem einen großen finanziellen Vorteil für die Allgemeinheit". Auch wenn die Forscher zunächst einen Industriepartner für Produktion und Vertrieb der Kühl-Pads suchen, fassen sie bereits weitere innovative Anwendungen textiler Kühl- und Wärmeprozesse in der Medizin ins Auge.