Schulpolitik des Landes

Ende Oktober stand Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stuttgarter Landtag, der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände zu Fragen der Schulpolitik Rede und Antwort.

Zum Thema Entwicklung und Umsetzung der Gemeinschaftsschule im Land vertrat sie folgende Auffassung: Da die Werkrealschule aus ihrer Sicht in den Städten keine Akzeptanz gefunden hätte, sei die Einführung von Gemeinschaftsschulen eine logische Schlussfolgerung. Diese sollen der heterogenen Schülerschaft besser gerecht werden. Zurzeit gäbe es 42 Gemeinschaftsschulen und für das neue Schuljahr seien bisher 118 weitere Anträge auf Umwandlung gestellt worden, belegte Bosner.

Da über das gesamte Land und alle Schulformen hinweg derzeit vierzehn Schüler auf eine Lehrkraft kämen und nur vier Prozent der allgemeinbildenden Schulen Klassen mit mehr als 30 Schülern hätten, stelle sich der Politik die Frage nach der Ressourcenverteilung, erklärte Bosner. Die regionale Schulentwicklung sei daher notwendig. Ziel der Grünen-Fraktion sei es, Schularten zusammenzulegen, aber die Varianz an Abschlüssen zu erhalten. Außerdem sei eine Synchronisierung von regionaler Schulentwicklung und Einführung der Gemeinschaftsschule notwendig und angestrebt, führte die Grünen-Politikerin aus. In der nächsten Ausbaustufe solle die gebundene Ganztagsschule kommen. Es gäbe hierzu einen landesweiten Finanzbedarf in Höhe von ca. 1,2 Mrd. Euro. Diese Mittel könnten nicht alleine vom Land und den Kommunen gestemmt werden.

Im Bereich der beruflichen Bildung forderte Sandra Boser weniger Übergangssysteme, aber mehr Qualifizierung und eine bessere Ausbildungsreife im allgemeinbildenden Schulsystem. Außerdem nahm die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion eine kritische Haltung zu den Fächerverbünden ein und brachte deren Auflösung zur Sprache. Die Verbandsvertreter waren hier anderer Meinung und machten deutlich, dass eine Auflösung von Fächerverbünden mit technischen Inhalten aller Voraussicht nach zu Lasten des Technikangebots insgesamt führen würde. Darüber hinaus böten Fächerverbünde die Interdisziplinarität, die immer gefordert würde.

Beim Thema Internatskostenzuschuss konnte noch keine endgültige Stellungnahme abgegeben werden. Stefan Küpper vom Bildungswerk, verwies aber darauf, dass die möglichen Einsparungen bei der Neustrukturierung und der Neuzuschnitte der Schulstrukturen, insbesondere im Bereich der Berufsschule, zumindest zum Teil auch für die Internatskosten aufgebracht werden müssten. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass bestimmte Ausbildungsberufe gänzlich unattraktiv würden.

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