Schulter an Schulter

Integration von Flüchtlingen kann gelingen

Zwischen 2013 und 2015 sind rund 1,5 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Zunächst ging es darum, den Menschen Schutz vor Krieg, Vertreibung oder politischer Verfolgung zu geben. Immer stärker rückt nun die frühzeitige und bestmögliche Integration der Menschen in das Blickfeld. Dabei ist die „Beschäftigung von Geflüchteten“ ein zentrales Element. Auf dem Südwesttextil-Personalleiterkreis Ende April bei Hugo Boss war dies deshalb auch das Schwerpunktthema der Veranstaltung.

Im Mittelpunkt standen die Präsentation der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Möglichkeiten der Förderung. Schnell zeigte sich unter den Teilnehmern, dass bereits Erfahrungen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen in Unternehmen gemacht wurden. So berichteten die Mitgliedsfirmen von Problemen, die durch das nicht reibungslose Zusammenspiel von Agentur für Arbeit, Landratsamt und Ausländerbehörde auftraten.

Beispielsweise wurde die Erfahrung gemacht, dass die Bezahlung vom Aufenthaltsstatus abhängt. Dies kann dazu führen, dass ein anerkannter Flüchtling weniger erhält als ein Flüchtling mit Aufenthaltsgestattung, da keine ortsüblichen Arbeitsbedingungen mehr geprüft werden müssen.

Außerdem gibt es immer wieder Unklarheiten bei den rechtlichen Voraussetzungen für die jeweiligen Arbeits- oder Praktikumsverhältnisse. Neben der unterschiedlich langen Bearbeitungsdauer der zuständigen Behörden sind auch die voneinander abweichenden Handhabungen und unterschiedlichen Formulare ein Hemmnis auf dem Weg zu einer zügigen und einfachen Integration in den Arbeitsalltag. Als besondere Kuriosität wurde Südwesttextil von einem Unternehmen mitgeteilt, dass eine regionale Ausländerbehörde selbst für ein Orientierungspraktikum ein Motivationsschreiben von dem Flüchtling verlangt hat.

Diese Schwierigkeiten sind allen Beteiligten bewusst, deshalb haben nun die Bundesagentur für Arbeit und die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände eine Broschüre aufgelegt, die anhand einiger praktischer Beispiele zeigt, wie eine Integration in den Arbeitsmarkt gemeinsam durch eine gute Kooperation – Schulter an Schulter – von Unternehmen, Arbeitsagenturen, Jobcentern und Flüchtlingen gelingen kann.

Und so gibt es auch viele positive Beispiele. So bewarb sich ein iranischer Flüchtling Anfang des Jahres direkt bei einem Südwesttextil- Mitglied. Der 48-Jährige konnte einen Duldungsstatus vorweisen. Nach einem Vorstellungsgespräch und einen Tag zur Probe war das gegenseitige Interesse geweckt. Nach sechs Wochen kam das „Go“ der Ausländerbehörde. Zwischenzeitlich wurde bei der Bundesagentur für Arbeit der Eingliederungszuschuss beantragt. Diesen bekommt ein Unternehmen in voller Höhe für einen befristeten Arbeitsvertrag ab einem Jahr.

Neben den eigenen Erfahrungen unterstützt Südwesttextil die Unternehmen mit Rat und Tat bei der Aufgabe der Integration und steht mit Kompetenz jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Die Wege in Beschäftigung oder Ausbildung sind unterschiedlich und nicht immer leicht. Aber es lohnt sich.