Sippenhaft für Angoraindustrie

Südwesttextil-Mitgliedsunternehmen Naturfasern michael dal grande wehrt sich gegen PETA-Vorwürfe

Mitte November veröffentlichte die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ein Video, das das brutale Scheren und Rupfen von Kaninchen in verschiedenen chinesischen Angora-Farmen zeigt. Große Bekleidungsketten wie H&M und C&A reagierten sofort und nahmen ihre Produkte mit Angorawolle aus den Sortimenten.

Die deutsche Textil- und Modeindustrie distanzierte sich von solch tierquälerischen Methoden. Der Gesamtverband Textil und Mode teilte in einer Presseerklärung mit: "Die Gewinnung von Angora aus Kaninchenhaaren geschieht in Deutschland auf schonende Weise. Die Tiere werden sorgsam geschoren; sie müssen aus pflegerischen Gründen vier bis fünf Mal im Jahr geschoren werden, da das Fell sonst verfilzt und die Tiere sich nicht mehr sauber halten können. Pfleglich behandelte Tiere geben eine qualitätvolle Wolle. Dies wird von Herstellern in Deutschland garantiert, die ihre Lieferanten und deren Situation persönlich kennen."

Das Südwesttextil-Mitgliedsunternehmen Naturfasern michael dal grande aus Lörrach handelt mit Tierhaaren und ist der größte Importeur von Angorahaaren in Europa. Das Unternehmen wehrt sich mit einer Pressemeldung gegen diese "in der Sache falsch und stark verkürzt respektive einseitig wiedergegebene" Darstellung. Diese Methode würde in China für einen Haartyp, das "Spiky Angora" angewendet. Dies ist eine Qualität mit besonders vielen groben Grannenhaaren. Das Haar dieser Kaninchensorte lockere sich nach ca. 95 bis 120 Tagen in der Haut und könne entweder ausgekämmt oder epiliert werden. In China gäbe es bedauerlicherweise Züchter, die diesen Zeitraum nicht abwarten. Dann käme es zu einer frühen Epilation, die schmerzhaft und als Tierquälerei zu verurteilen sei.

Die Jahresproduktion dieses Typs betrage circa 400 bis 500 Tonnen und entspräche lediglich 10 Prozent der weltweiten Angora- Jahresproduktion. Diese gelange jedoch kaum auf den europäischen Markt, sondern werde nach Korea exportiert oder in China für den Inlandsmarkt verarbeitet. In Frankreich sei das Auskämmen der abgestorbenen Haare die traditionelle Angoragewinnung. Diese Sorte werde überwiegend für Handstrickgarn in Europa verwendet.

Ungefähr 4,5 Millionen kg jährlich würden vom weltweit größten Angoraproduzenten China auf herkömmliche, schonende Art und Weise mit Schere oder Schurmaschine gewonnen. Dieses Angorahaar werde für die meisten Textilien, Unterwäsche wie Oberbekleidung, eingesetzt.

Großzuchten, wie im PETA-Video gezeigt, gäbe es in China wenige. Das Angorakaninchen würde überwiegend von Kleinbauern gehalten und der Verkauf der Haare bedeute einen erheblichen Beitrag zu deren Einkommen. Da die Tiere sehr empfindlich und für chinesische Verhältnisse teuer seien, sei eine artgerechte Haltung im ureigenen Interesse eines jeden Züchters. "Von einer Qualität (Spiky Angora), welche zudem noch nicht einmal in westlichen Produkten Verwendung findet, auf die gesamte Angoraproduktion zu schließen und die Angoraindustrie insgesamt in Sippenhaft zu nehmen, ist manipulativ, verleumderisch und grob fahrlässig", heißt es in der Meldung.

Stiftung Warentest
Für die Stiftung-Warentest-Ausgabe 12/2013 wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) 44 Tier- und Umweltschutzorganisationen untersucht, wie sie ihre Spendengelder verwenden, ob sie wirtschaftlich arbeiten, transparent und solide organisiert sind. Peta Deutschland, mit Einnahmen von 3,5 Mio Euro, bekam schlechte Noten: Ein "Ungenügend" in Transparenz, Organisation und Kontrolle. Des Weiteren ergab die Untersuchung, dass die Tierschutzorganisation unwirtschaftlich arbeitet.

Informationen zur Angoraproduktion unter http://www.angora-rabbits.de